In seinen Genen trägt der LTM 1650-8.1 natürlich das Konzept seines Vorgängers – maximale Leistung auf acht Achsen. Das Ergebnis ist beeindruckend: Er wird künftig mühelos Hubarbeiten in der 700-Tonnenklasse und sogar darüber hinaus übernehmen können. Folgerichtig hat er eine nominelle Traglast von 700 Tonnen. Je nach Ausrüstung übertrifft der Neue den Alten zwischen 15 und 50 Prozent. Der technische Fortschritt macht es möglich, und da hat sich seit der Entwicklung des LTM 1500-8.1 vor 20 Jahren so einiges getan.

Noch etwas hat der LTM 1500-8.1 an seinen Nachfolger vererbt. Auch den neuen Kran gibt es mit zwei Teleskopauslegerlängen: 54 Meter oder 80 Meter. Kunden können beide Längen beschaffen und einfach wechseln, indem das Teleskopteil 3 mit Rollenkopf gegen die Teleskopteile 3 bis 5 ausgetauscht wird. Das hat sich bewährt.

Auch bei der Y-Abspannung des neuen LTM 1650-8.1 haben unsere Konstrukteure auf die bewährte Technik des LTM 1500-8.1 zurückgegriffen: Sie entwickelten das Ein-Seil-System in Richtung höherer Leistung weiter und haben den Vorteil der einfachen Handhabung beibehalten. Die Spezialisten aus Ehingen legten den Fokus bei der Konstruktion auf einfaches, schnelles und sicheres Rüsten.


Hans-Dieter Willim, Konstruktionsleiter im Ruhestand
Hans-Dieter Willim, Konstruktionsleiter im Ruhestand

Zwei 8-Achser auf technisch neuestem Stand

Jetzt haben wir zwei moderne 8-Achser im Produktprogramm. Bei der letzten Bauma überraschten wir mit einem 8-Achs-Mobilkran, der auf maximale Flexibilität und schnelle Einsatzbereitschaft ausgelegt ist: Der LTM 1450-8.1 fährt mit seinem 85 Meter langen Teleskopausleger und allen vier Abstützungen bei 12 Tonnen Achslast auf öffentlichen Straßen. Bei der Konzeption des neuen 8-Achsers setzten wir auf maximale Tragkräfte. Der LTM 1650-8.1 fährt bei 12 Tonnen Achslast mit seinem 54 Meter Teleskopausleger und den vorderen Abstützungen. „Um die Rüstzeit dennoch kurz zu halten, werden die hinteren Abstützungen in einem Hub als kompletter Abstützkasten angebaut und mit Schnellkupplungen verbunden, eine Idee, die schon vor Jahren entstand”, sagt Hans-Dieter Willim, der vier Jahrzehnte die Krantechnik bei Liebherr mitgestaltet hat.

Um die Rüstzeit dennoch kurz zu halten, werden die hinteren Abstützungen in einem Hub als kompletter Abstützkasten angebaut und mit Schnellkupplungen verbunden.

Hans-Dieter Willim, Konstruktionsleiter im Ruhestand

Wie bei allen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben unsere Ingenieure auch bei der Konstruktion des LTM 1650-8.1 unterschiedlichste Transportgewichte und Achslastvarianten berücksichtigt, um eine weltweit wirtschaftliche Mobilität sicherzustellen, sowohl für Achslasten unter 12 Tonnen als auch darüber.

Höhere Einsatzflexibilität mit VarioBallast®

Eine hohe Leistung erfordert üblicherweise einen großen Ballastradius. Doch oft geht es auf Baustellen eng zu. Dann sollte der Ballastradius möglichst klein sein. Wir begegnen dieser Herausforderung mit der Innovation VarioBallast®. Der neue LTM 1650-8.1 übernimmt das bewährte System des LTM 1450-8.1: Der Ballastradius kann mit einem einfachen hydraulischen Schwenkmechanismus stufenlos verändert werden – beim LTM 1650-8.1 zwischen 6,4 und 8,4 Metern.


Bernd Boos, Konstruktionsleiter Teleskopkrane
Bernd Boos, Konstruktionsleiter Teleskopkrane

Die Regeln der Physik ändern sich nicht, aber seit Jahrzehnten werden Krane immer stärker. Wie geht das?

Zwei Jahrzehnte dominierte der LTM 1500-8.1 den Markt für große Teleskopkrane. Sein Nachfolger, der neue 8-Achser LTM 1650-8.1, ist bei gleichem Krankonzept und etwa gleichem Krangewicht deutlich stärker. Er dringt damit in den Traglastbereich vor, der bisher 9-achsigen Kranen vorbehalten war. Wir fragen Bernd Boos, Konstruktionsleiter Teleskopkrane, wie das möglich ist.

„Beide Krane haben tatsächlich vergleichbare Gewichte in der Kranstruktur. Allerdings liegen zwischen der Konstruktion des LTM 1500-8.1 und der des LTM 1650-8.1 zwanzig Jahre – in dieser Zeit hat sich technisch Einiges getan. Es gibt heute zum Beispiel noch leistungsfähigere Feinkornbaustähle als damals. So besteht der Teleskopausleger des LTM 1500-8.1 aus S 960 mit einer Streckgrenze von 960 N / mm². Beim LTM 1650-8.1 kommt der Stahl S 1300 mit einer Streckgrenze von 1.300 N / mm² zum Einsatz. Das bedeutet eine 35 Prozent höhere Belastbarkeit bei gleichem Stahlgewicht. Durch eine noch bessere Abstimmung der Auslegerprofile auf die optimierte Abspanntechnik konnten die Traglasten weiter gesteigert werden.

Bei dieser Entwicklung spielt Erfahrung eine wesentliche Rolle. Wir lernen immer dazu. So haben wir in den letzten Jahren große Erfahrung mit dünnwandigen Auslegerprofilen gesammelt und konnten die Berechnungsmodelle der Finite-Elemente-Methode verfeinern.

Zudem stehen uns heute neue Fertigungsmethoden zur Verfügung. Es ist jetzt möglich, längere Bleche für die Auslegerprofile zu fertigen, wodurch weniger Schweißnähte benötigt werden. Das bedeutet auch weniger Verzug im Material.

Einen wichtigen Beitrag leisten zudem zwei innovative Liebherr-Entwicklungen: das Ein-Motor-Konzept und VarioBallast®. Wir haben uns auch beim LTM 1650-8.1 bewusst für das Ein-Motor-Konzept entschieden, denn das entfallende Gewicht des Oberwagenmotors kann für tragende Bauteile eingesetzt werden. Durch VarioBallast® kann die Leistung gesteigert werden, da der vergrößerte Ballastradius eine Momentvergrößerung des Gegengewichts bewirkt und zudem den Fahrzeugrahmen durch die Reduzierung der Torsion entlastet. Und der kleine Ballastradius ist perfekt für enge Einsatzbedingungen.

Durch diese kontinuierlichen Verbesserungen arbeiten wir systematisch daran, die Grenzen der Physik weiter auszuloten.“

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