15.09.2015 LTR 1220 bewährt sich als Gegengewicht am Liebherr-Raupenkran LR 1600/2

  • Kranbetreiber Helling benutzt erfolgreich Hilfskran als Ballastersatz am 600-Tonnen-Raupenkran
  • Verfahren des Gespanns mit 150 Meter langem Mast zum nächsten Baufeld
  • Große Zeitersparnis und Reduzierung von Ballasttransporten

Ein Lehrstück an optimaler Ausnutzung von Kran-Equipment und Synergien zeigt die Kranfirma Helling aus dem süddeutschen Schwäbisch Gmünd beim Einsatz in großen Windparks. Ein ohnehin für Rüstarbeiten mitgeführter Liebherr Teleskop-Raupenkran vom Typ LTR 1220 wird von Helling beim Ablegen und Aufrichten des Großkrans LR 1600/2 anstelle üblicher Ballastblöcke als Gegengewicht verwendet. Wenn Topografie und Landwirte es zulassen, packt der kleinere Kran zudem beim Umsetzen zur nächsten Anlage mit an.

Der Rollenkopf wird über einen Adapter am Großkran angedockt und somit fixiert.

Der Rollenkopf wird über einen Adapter am Großkran angedockt und somit fixiert.

Markus Helling, Geschäftsführer der Helling GmbH, ist nicht nur Diplom-Ingenieur sondern auch ein großer Tüftler. Weil die Montage von Windkraftanlagen wie für viele seiner Zunft auch bei ihm zum Hauptgeschäft der Krandienstleistung gehört, ist er stets um Optimierung bei den Arbeitsabläufen in den Windparks bemüht. Zusammen mit den Fachleuten bei Liebherr in Ehingen hat Helling das Konzept der Verwendung des 200 Tonnen schweren LTR 1220 als Ballast für den Hauptkran mit entwickelt. Die Vorteile dieses Verfahrens liegen auf der Hand: Erstens ergibt sich eine deutliche Reduzierung der Rüstzeiten, weil das Auf- und Abballastieren des Schwebeballasts entfällt. Zweitens „spare ich mir acht Transporte für den Ballast, der ausschließlich zum Rüsten, für die Hubarbeiten dazwischen aber nicht benötigt wird – und zwar beim Auf- und Abbau sowie bei jedem Umsetzen des LR 1600/2“, ergänzt Helling.

Firmeninhaber Markus Helling (rechts im Bild) verfolgt das Andocken des kleineren Teleskop-Raupenkrans genau.

Firmeninhaber Markus Helling (rechts im Bild) verfolgt das Andocken des kleineren Teleskop-Raupenkrans genau.

Sein Kran hebt in der Regel die oberen Turmstücke aus Stahl auf fertige Betontürme und montiert die Windkraftanlagen. So auch bei diesem Einsatz nahe der rheinhessischen Stadt Alzey, bei dem Windenergie-Anlagen von Senvion mit 128 Meter Nabenhöhe aufgestellt wurden. Ein Baustellen-Protokoll:

Nach Montage des Rotors und Fertigstellung der Anlage am Vortag startet das Helling-Team zur Mittagszeit. Es beginnen die Vorbereitungen zum Ablegen des Raupenkran-Gittermastes, der inklusive 12 Meter langer fester Spitze eine Gesamtlänge von 150 Meter aufweist.

Der LTR 1220 folgt dem großen Raupenkran möglichst in dessen Spur.

Der LTR 1220 folgt dem großen Raupenkran möglichst in dessen Spur.

12.00 Uhr: Nach Demontage des Zentralballastes beim LR 1600/2 fährt der Teleskop-Raupenkran hinter den Großkran und positioniert sich als Gegengewicht.

12.30 Uhr: Der LTR 1220 hängt am Derrick-Ausleger und ist mit dem Rollenkopf mittels eines Adapters am Heck des 600-Tonnen-Krans angedockt. Das Absenken des gewaltigen Gittermastes kann beginnen.

13.45 Uhr: Der Hauptausleger ist am Boden, der LTR 1220 wird wieder abgehängt.

16.00 Uhr: Die Schwebeballast-Palette hängt am LR 1600/2 und ist mit etwas Ballast bestückt.

16.30 Uhr: Der LTR 1220 hat am Gittermast des Großkrans angeschlagen und nimmt rund 34 Tonnen Last auf. Der große Raupenkran manövriert sich aus der Baustelle heraus.

17.20 Uhr: Die Reise beginnt. Das Gespann setzt sich über die Felder in Bewegung. Der LTR 1220 folgt dem großen Raupenkran, den Ausleger am Haken.

19.10 Uhr: Die Krane haben rund 1200 Meter zurückgelegt und treffen am nächsten Baufeld ein.

22.00 Uhr: Hoch aufgerichtet steht der LR 1600/2 zugbereit für den nächsten Tag wieder in Arbeitsposition.

Dreieinhalb bis vier Tage dauert üblicherweise das Umsetzen des LR 1600/2 zur nächsten Baustelle wenn der Raupenkran dafür abgerüstet, transportiert und wieder aufgebaut werden muss. Der clevere Einsatz des LTR 1220 als "Umzugshelfer" beschert Helling einen ernormen Zeitgewinn.