Im Glück: „Heute beginnt die Zukunft des Wunderlands.“ Vor 15 Jahren schon hatte Mitbegründer Frederik Braun die Vision von einer Brücke über das Fleet, um das Miniaturwunderland zu erweitern. In zwei Jahren sollen auch kleine Züge den Steg überqueren können.
Im Glück: „Heute beginnt die Zukunft des Wunderlands.“ Vor 15 Jahren schon hatte Mitbegründer Frederik Braun die Vision von einer Brücke über das Fleet, um das Miniaturwunderland zu erweitern. In zwei Jahren sollen auch kleine Züge den Steg überqueren können.

Skywalk in den Regenwald

Die größte Modelleisenbahnanlage der Welt platzt aus allen Nähten. Weil der bisherige Standort in dem ehemaligen Lagergebäude in der historischen Speicherstadt keine Reserven für künftige Erweiterungen bietet, wurde lange nach Möglichkeiten zur Expansion gesucht. In einer spektakulären Operation setzte nun der Paderborner Kranverleiher Hofmann mit seinem Liebherr-Mobilkran LTM 1750-9.1 einen 25 Meter langen Skywalk über den angrenzenden Kanal. Der Steg über das Fleet ist künftig die Verbindung zum benachbarten Kaispeicher. Ab 2022 sollen die Besucher über die Brücke zum Nachbargebäude gelangen und dort neu geschaffene Eisenbahnwelten bestaunen können.

Take-off: An langen Halteseilen gut gesichert schwebt im Morgengrauen die künftige Verbindungsbrücke langsam empor.
Take-off: An langen Halteseilen gut gesichert schwebt im Morgengrauen die künftige Verbindungsbrücke langsam empor.

„Stell Dir vor, du gehst über diese Brücke und bist in Rio oder im Regenwald.“ Begeistert schießt dieser Satz aus dem strahlenden Gesicht von Gerrit Braun in eine der vielen Kameras, die an diesem trüben Julimorgen schon vor Sonnenaufgang in Hamburgs Speicherstadt Bilder für ihre Stories einfangen. Braun, der dabei einen betagten Feuerwehrhelm trägt, steht vor dem Gebäude vom „Miniatur Wunderland“. Und er ist ziemlich aus dem Häuschen, wofür man Verständnis haben muss, denn zusammen mit seinem Zwillingsbruder Frederik hat er eine halbe Ewigkeit diesen Moment herbeigesehnt: Ein riesiger Kran hebt eine Fußgängerbrücke über den Kanal, der ihr Gebäude vom benachbarten Kaispeicher trennt.

Fünfzehn lange Jahre hat es gedauert, bis die Idee vom Brückenschlag über das Fleet nun im Juli 2020 Wirklichkeit werden konnte. Unzählige Planungen und Verhandlungen mit Denkmalschutz und Hamburgs Behörden waren erforderlich, um das Bauvorhaben realisieren zu können. Diese mühevollen Hindernisse waren der Tatsache geschuldet, dass die historischen Lagergebäude mit ihren schmucken Zinnen, Türmen und Staffelgiebeln seit einigen Jahren den Titel eines Weltkulturerbes tragen.

Oben genannte Zwillinge sind die Gründer der inzwischen größten Modelleisenbahnanlage der Welt. Zusammen mit einem Freund legten sie im Jahr 2001 los, um in dem alten Speichergebäude ihre kühne Vision in die Tat umzusetzen. Heute, 19 Jahre und 19 Millionen Besucher später, gibt’s nun endlich den lang erhofften Brückenschlag zum Nachbarblock, der den rastlosen Modellbauern künftig weitere 3.000 Quadratmeter Fläche zum Austoben bieten wird. Rio de Janeiro ist da nur der Auftakt. Der brasilianischen Metropole am Zuckerhut sollen zunächst die Regenwälder Patagoniens, Mittelamerika und die Karibik folgen. „Dann sehen wir weiter“, kündigt Gerrit Braun an.

Elton Toska (rechts) und sein Kollege Alexander Lorenz auf ihrem Liebherr-Kran LTM 1750-9.1
Elton Toska (rechts) und sein Kollege Alexander Lorenz auf ihrem Liebherr-Kran LTM 1750-9.1

Speicherstadt steht auf tausenden Eichenpfählen

Beauftragt mit dem Einbau der Brücke war das in Hamburg ansässige Schwerlastunternehmen Gustav Seeland. „Vor zweieinhalb Jahren haben wir mit den Planungen für diesen spannenden Einsatz begonnen,“ erzählt Arne Scharnweber, der für die Firma Seeland dieses nicht alltägliche Abenteuer verantwortet hat und nun zum Abschluss bringt. Viel Arbeit liegt an diesem Morgen hinter dem 27-jährigen Hamburger. Nicht nur der Hub an sich wollte sorgsam geplant sein, wesentlich war vor allem die akribische Prüfung der Beschaffenheit des Untergrunds für die Stellfläche des Krans. Als vor rund 130 Jahren die Speicherstadt gebaut wurde, mussten die Lasten der mächtigen, etwa 30 Meter hohen Lagerhäuser über tausende Eichenpfähle abgeleitet werden. „Aufgrund der Pfahlbauten hatten wir hier einige Herausforderungen mit den Bodenbelastungen,“ erklärt der Ingenieur. Geostatische Gutachten gehörten für Scharnweber ebenso zum Vorlauf wie ein Studium des Kanal-Katasters, um einen geeigneten Stellplatz für den mächtigen Mobilkran zu finden.

Querschnitt der Hamburger Speicherstadt im Jahr 1888
Querschnitt der Hamburger Speicherstadt im Jahr 1888
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Der Einsatz war von Seeland perfekt durchgeplant. Wir mussten nur noch aufbauen und loslegen.

Elton Toska und sein Kollege Alexander Lorenz

Der Kran selbst, ein Liebherr LTM 1750-9.1, war beim Kranunternehmen Hofmann angeheuert worden, einem in Paderborn ansässigen Ableger der Bracht-Gruppe. Mithilfe eines LTM 1100-5.2 von Seeland war er zwei Tage zuvor aufgebaut worden. Um den Stützdruck unter der großen Maschine zu verringern, wurden auf einer dicken Sandschicht mächtige Baggermatten und große Abstützplatten ausgelegt. Sie verteilten das Gesamtgewicht von Kran und Last auf insgesamt 100 Quadratmeter, um die Bodenbelastung bestmöglich zu reduzieren.

Gerüstet war der blaue Mobilkran mit 204 Tonnen Ballast und einer wippbaren Gitterspitze von 49 Metern Länge. Schließlich mussten 40 Tonnen Last aus Stahl und Glas über das Kupferdach auf die andere Seite des sechsgeschossigen Bauwerks befördert werden.

Brückenschlag im Maßstab 1:87. Unser Kran wird sorgsam in die Wunderland-Ausstellung integriert und der Hub der neuen Verbindungsbrücke nachgestellt.
Brückenschlag im Maßstab 1:87. Unser Kran wird sorgsam in die Wunderland-Ausstellung integriert und der Hub der neuen Verbindungsbrücke nachgestellt.

Eine Ausladung von 48,5 Metern hatte der Mobilkran bei dem Hebevorgang zu bewältigen. Alexander Lorenz in der Krankabine und sein Kollege Elton Toska steuerten die elegant konstruierte Verbindungsbrücke zunächst über das Gebäude und senkten das Bauteil dann achtsam zwischen die neugotischen Backsteinfassaden. Auf Höhe der dritten Speicherebene schließlich warteten die Monteure, um das Brückenbauwerk auf seinen Verankerungen zu fixieren.

Skywalk-Montage im Kleinformat

Wesentlich einfacher als der Einbau der Brücke im Freien gestaltete sich der verblüffend echt nachgestellte Vorgang dieses ambitionierten Brückenschlags im Inneren des Gebäudes. Weil die historische Speicherstadt selber in der monumentalen Ausstellung nachgebildet ist, hatten wir in Ehingen die Idee, als kleinen Beitrag zur großen Wunderland-Show ein besonderes Präsent für die rührigen Ausstellungsmacher nach Hamburg zu schicken. Also fertigten wir ein entsprechendes Modell des Liebherr LTM 1750-9.1 – inklusive passender Wippspitze, versteht sich.

Nikolaus Kraft, einer der zwanzig angestellten Modellbauer, hatte die Verbindungsbrücke im Kleinformat in filigraner Bastelarbeit angefertigt und durfte sich nun beim Nachstellen der Szene als Kranfahrer und Monteur in einem betätigen. Souverän und behutsam nahm er den Einbau der Miniatur-Brücke am Haken unseres Krans an der Modellanlage vor. In der Hamburg-Abteilung der Ausstellung, benachbart zu den Rocky Mountains und den startenden Spaceshuttles von Cape Canaveral, können Sie, liebe Leserin, lieber Leser, beim nächsten Besuch der Hansestadt die spektakuläre Operation mit Kran und Skywalk im Maßstab 1:87 also selbst in Augenschein nehmen. Es lohnt sich.

Ein kleiner Schleppkahn übernimmt die langen Halteseile, als die Brücke über den Kanal geschwenkt wird.
Ein kleiner Schleppkahn übernimmt die langen Halteseile, als die Brücke über den Kanal geschwenkt wird.

Lohnend ist ein Abstecher durch Hamburgs Speicherstadt mit ihrer charakteristischen Architektur, den einzigartigen Fleeten und zahlreichen Brücken allemal. Das kulissenreife Areal aus der deutschen Kaiserzeit gilt schließlich als größter historischer Lagerhauskomplex der Welt. Ab 1885 wurden die Kaispeicher in rund dreißigjähriger Bauzeit errichtet, um als Freihafen nach Hamburgs Zollanschluss an das Deutsche Reich den Handel der hanseatischen Kaufleute nicht mit Zöllen zu belasten. Gewachsene Wohnviertel von Arbeitern, Seeleuten und Handwerkern, aber auch stattliche Kaufmanns- und Bürgerhäuser mussten dafür weichen.

Insgesamt 20.000 Menschen wurden damals innerhalb der Stadtgrenzen umgesiedelt. Seit 1888 wurden hauptsächlich Kaffee, Tee und Gewürze auf den Etagen der Gebäude gelagert oder veredelt. Mit der Zunahme des Containerverkehrs in den 1970er-Jahren verloren die alten Speicher mehr und mehr an Bedeutung, bis das Gebiet schließlich 2003 aus der Freihandelszone genommen wurde. Heute wird nur noch ein kleiner Teil der Flächen als Warenlager genutzt. Hinter den sonstigen denkmalgeschützten Mauern finden sich Werbeagenturen, Hotels und Gastronomiebetriebe sowie einige Museen. Und eben die weltgrößte Modelleisenbahnanlage zweier quirliger Brüder, deren Expansionslust so schnell nicht gestillt sein dürfte.

 

 

Dieser Artikel erschien im UpLoad Magazin 01 | 2021.

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