Christine Conrad
Christine Conrad

Herr und Frau Conrad, Sie sind in der Branche aufgewachsen. Können Sie die Anziehungskraft und die Leidenschaft, die Modellfahrzeuge entfachen, in Worte fassen und erklären?

Christine Conrad: Ich glaube, die Faszination liegt darin, dass Modelle eine Art Ruhepol sind. Ich kann das Modell anfassen, das Gewicht und die Haptik fühlen, kann mich mit den Funktionen beschäftigen und die Details betrachten. Man taucht in eine andere Welt ein. Es gibt einen Spieleffekt, aber auf eine besondere Art und Weise. Dadurch schaffen Modelle Entschleunigung. Gleichzeitig liegt die Anziehungskraft darin, dass man das gesamte Gerät als Miniatur auf einen Blick betrachten kann. Im Bereich von Großgeräten ist sehr imposant, wie lang beispielsweise der Ausleger sogar im Modellmaßstab ist. Der LG 1750 erreicht als Modell eine Höhe von 4,20 Meter. Es ist schon beeindruckend, dass das überhaupt hält.

Günther Conrad: Hinzu kommt die große Sammlerleidenschaft in diesem Bereich. Für Liebhaber ist sogar die Modellverpackung von hohem Wert, da sie als Bestandteil des Modells angesehen wird. Manche Fans bewahren ihre Modelle in den Kartons auf und holen sie zum Betrachten immer wieder mal raus, aber bauen sie nicht auf.

Bitte erzählen Sie uns doch ein wenig über Ihr Unternehmen und wie es entstanden ist.

Günther Conrad: Mein Vater Ludwig Conrad gründete das Unternehmen im Jahr 1956 in Kalchreuth nahe Nürnberg und produzierte Elektrobauteile. Zunächst mehr als Hobby stellte er elektronisches Modelleisenbahnzubehör her. 1970 übernahm er dann die alteingesessene Nürnberger Spielwarenfirma Gescha, welche auf Metallspielzeuge spezialisiert war. Im Sortiment war bereits ein Modell des Liebherr Baggers R 961, das für den Spielwarenmarkt in bunten Farben lackiert wurde, aber nur mäßigen Verkaufserfolg erzielte. Conrad änderte die Farben und lackierte das Modell so, wie es auch in echt aussieht. Das brachte den Erfolg: Aus dem Spielzeug wurde ein Sammlermodell. Conrad war eines der ersten Unternehmen in diesem Markt – mit Liebherr als wichtigem Kunden.


Günther Conrad
Günther Conrad

Herr Conrad, wann sind Sie schließlich ins Unternehmen eingetreten?

Günther Conrad: Mein Eintritt ins Unternehmen war 1971. Im Jahr 1978 haben wir den Bereich elektrotechnische Bauteile abgegeben und uns auf den Modellbau fokussiert. Im selben Jahr bin ich in die Geschäftsleitung eingetreten und habe sie 1987 komplett übernommen. Meine Tochter Christine kam 2007 ins Unternehmen und arbeitet seit 2015 in der Geschäftsführung mit.

Was zeichnet Ihr Unternehmen besonders aus?

Christine Conrad: Unsere Modelle sind sehr hochwertig und funktionell. Wir legen großen Wert auf Qualität. Sie sind robust, die Funktionen können nachgespielt werden und halten auch mal Kinderhänden stand. Gleichzeitig gestalten wir sie wirklichkeitsnah mit zahlreichen Feinheiten und aufwändigen Details.

Günther Conrad: Im Gegensatz zu anderen Herstellern haben wir Ende der 90er Jahre unsere Produktion nicht nach China ausgelagert, sondern bewusst in Deutschland gehalten. In Kalchreuth haben wir zwei Gesellschaften, die alle Arbeitsschritte abwickeln: Konstruktion, Formenbau, Zinkdruckguss, Lackierung, Herstellung der Kunststoffteile und Montage. 2010 gründeten wir ein Montagewerk in Tschechien, welches uns kostengünstige und hochwertige Arbeit abliefert. Unsere insgesamt 90 Mitarbeiter sind mit Leidenschaft dabei.

Können Sie uns einen Einblick in die Fertigung der Modelle bieten? Wie und woraus werden sie produziert? Was sind die Herausforderungen dabei?

Günther Conrad: Zu großen Teilen produzieren wir unsere Miniaturen aus Zinkdruckguss. Zink ist ein natürliches Material, welches dem Modell das Gewicht und die Haptik einer robusten Baumaschine verleiht. Ein Nachteil ist, dass die Einzelteile nicht ineinander geklickt werden können, sondern aufwändig verbolzt, vernietet oder verschraubt werden müssen. Zur Fertigung wird je Bauteil eine Form aus zwei Hälften benötigt, in welche das Material mit sehr hohem Druck gepresst wird.

Christine Conrad: Die Konstruktion erfolgt auf Basis der original 3D-Daten des Geräts. Allerdings können diese Daten nicht einfach maßstabsgetreu umgerechnet werden, sondern werden immer neu entwickelt und aufgebaut. Unsere Konstrukteure passen zahlreiche Feinheiten manuell an, um ein gleiches Erscheinungsbild zu erreichen. Ein Beispiel: Eine Blechdicke von 2 Millimeter am Originalgerät kann nicht maßstäblich behandelt werden, da im Zinkdruckguss eine minimale Stärke von 1 Millimeter notwendig ist. Dadurch verschieben sich die Proportionen und das Modell muss umkonstruiert werden, damit die Optik passt.

Wie läuft dabei die Zusammenarbeit mit Liebherr ab? Was war das erste Modell für Liebherr und welches ist das Neueste?

Günther Conrad: Mit Liebherr verbindet uns eine enge Partnerschaft seit beinahe 50 Jahren. Wir freuen uns, wenn wir für Liebherr etwas machen dürfen und versuchen, alle Wünsche zu erfüllen. Im Gegenzug hilft Liebherr uns, wenn wir irgendetwas benötigen. Uns verbindet ein direkter, offener und ehrlicher Kontakt.

Christine Conrad: Den ersten Kran für das Liebherr-Werk Ehingen haben wir zur Bauma 1977 gemacht. Das war ein LT 1100. Der neueste Kran ist ein Geländekran, der LRT 1100. Ein Bestseller ist der Mobilkran LTM 1070-4.1. Den haben wir auch in über vierzig verschiedenen Sonderlackierungen mit Kundenfarben gemacht.

Modelle in Sonderlackierung sind oft heiß begehrt. Was sind dabei die Besonderheiten?

Christine Conrad: Sonderlackierungen haben ihren eigenen Reiz und sind ein absoluter Hingucker. Auch für die Kunden sind sie von großer Bedeutung. Man muss aber wissen, dass Modellfertigung schlicht Massenproduktion ist. Durch Sonderfarben, Abstimmungsvorgänge, Farbmuster und ähnliches haben wir einiges an Mehraufwand. Auch Kunststoffteile müssen extra in der jeweiligen Farbe gespritzt werden. Ab einer Abnahme von 100 Stück bieten wir Sonderlackierungen an, wenn wir die Fertigung mit der Serienproduktion zusammenlegen können. Ist die Zusammenlegung durch Termindruck nicht möglich, beträgt die Mindestabnahme 250 Stück.

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