
FlexChamfer 2.0
Die Liebherr-Verzahntechnik GmbH hat das Anfasverfahren FlexChamfer gezielt für mehr Anwendernutzen, Bedienkomfort und Flexibilität weiterentwickelt. Neue Softwarefunktionen ermöglichen die eigenständige Berechnung auch komplexer Fasen. Eine neue Schnittstelle erlaubt erstmals den Wechsel zwischen FlexChamfer und ChamferCut auf einer Maschine. Weitere Funktionen verbessern Sicherheit und Effizienz in der Bedienung.
FlexChamfer ist ein CNC-basiertes, flexibles Anfasverfahren mit Schaftfräsern, das sich insbesondere für Werkstücke mit Kollisionskontur oder Innenverzahnungen eignet. Die Bearbeitung kann hauptzeitparallel auf einer integrierten Anfaseinheit erfolgen. Standardwerkzeuge machen das Verfahren kostengünstig und lassen Wartezeiten durch werkstückspezifische Sonderwerkzeuge entfallen. Es eignet sich für Prototypen und Kleinserien, beispielsweise in der Lohnverzahnung oder in der Luft- und Raumfahrt, aber auch für mittlere und größere Stückzahlen, etwa in der Nutzfahrzeugindustrie.
Komplexe Fasen eigenständig programmieren
„Im Austausch mit Kunden und Anwendern zeigte sich der Bedarf, die Fasen sowohl bei einfachen als auch bei komplexeren Bauteilgeometrien eigenständig definieren und berechnen zu können. Deshalb haben wir die Software gezielt weiterentwickelt – für mehr Flexibilität, einfachere Bedienung und erweiterte Einsatzmöglichkeiten“, erklärt Dr. Oliver Winkel, Leiter der Anwendungstechnik. Bislang war speziell für die Programmierung komplexer Fasen eine externe Berechnung erforderlich. Nun lassen sich auch anspruchsvollere Geometrien wie Fasen an großen Stirnschrägen direkt in der Software programmieren. „Wir wollten die Anwender in die Lage versetzen, auch solche Fälle eigenständig abzubilden“, so Oliver Winkel. Sollte das Bearbeitungsergebnis in einem Umlauf nicht zufriedenstellend sein, kann über die getrennte Definition zweier Bearbeitungsbereiche optimiert werden, indem senkrechte und schräge Flächen unabhängig voneinander in zwei Umläufen angefast werden.


Kopfumschaltung: eine Maschine, zwei Verfahren
Ein weiteres Highlight ist die Integration einer verbesserten Schnittstelle, die ein einfaches und schnelles Umrüsten zwischen FlexChamfer- und ChamferCut-Technologie ermöglicht. Damit bietet die Maschine von Anfang an die Möglichkeit, beide Verfahren zu nutzen. Durch standardmäßige Strom- und Druckluftanschlüsse ist die Anfaseinheit für beide Technologien vorbereitet, das Umrüsten dauert weniger als zwei Minuten. Die Umschaltung erfolgt dann softwareseitig. Das ermöglicht die wirtschaftliche Bearbeitung unterschiedlichster Losgrößen auf einer Maschine, steigert die Flexibilität und reduziert Investitionskosten. Neue Maschinen sind entsprechend vorkonfiguriert, Bestandsmaschinen können nachgerüstet werden.
Bedienung weiter vereinfacht
Parallel zur funktionalen Erweiterung wurde auch die Benutzerführung weiter verbessert: „Ein erweiterter Plausibilitäts-Check liefert heute konkrete Hinweise auf die Ursachen unplausibler Eingaben, statt wie bisher nur eine Warnung auszugeben“, erläutert Oliver Winkel. Im Einrichtbetrieb ermöglicht ein Sichtstopp die Kontrolle bei geöffneter Maschinentür. So kann das Bedienpersonal neue Werkstücke beim Einfahren direkt überwachen und etwaige Kollisionen frühzeitig erkennen, etwa bei Störkonturen.

Neues Software-Feature: präzises Anfasen auch anspruchsvoller Stirnkantengeometrien
FlexChamfern auch großer Werkstücke
Auch für größere Werkstücke steht erstmals eine Lösung zum Anfasen auf der Maschine zur Verfügung: Dank neuer Fräsköpfe mit integrierter, ausklappbarer Anfasspindel lassen sich nun auch Bauteile mit bis zu sechs Metern Durchmesser mit der FlexChamfer-Technologie anfasen – zwar nicht hauptzeitparallel, aber hochpräzise und in einer Aufspannung. Das manuelle Entgraten und Anfasen entfällt.
Erfolgreich in der Praxis
Maschinen mit der neuen FlexChamfer-Software sind bereits bei ersten Kunden im Einsatz, unter anderem beim italienischen Hersteller von Antriebskomponenten OMSI Trasmissioni S.p.A. Geschäftsführer Renato Soncina erklärt: „Wir nutzen bereits die Gratomat-Fasentechnologie auf unseren Liebherr-Maschinen. Mit FlexChamfer können wir die gewünschten Fasenabmessungen nun programmieren und dadurch deutlich flexibler und präziser arbeiten.“


