
7 Minuten - Magazin 01 | 2026
Power to Go
Wer nach Zermatt reisen möchte, dem mondänen Dorf hoch in den Schweizer Alpen, kann die letzten Kilometer dorthin nur mit dem Zug oder in einem Elektrotaxi zurücklegen. Zermatt ist autofrei. Das trägt zur Erhaltung der sauberen Bergluft bei. Durch die engen Gassen fahren ausschließlich kleine, stromgetriebene Lieferwagen oder Shuttle-Busse.
LTC 1050-3.1E lärm - und abgasfrei in Zermatt
Hört man dennoch mal einen Verbrennungsmotor, ist fast immer eine Baumaschine im Einsatz. Das ist in Zermatt noch erlaubt – bisher auch mangels Alternativen. Als im Herbst nun eine provisorische Schule abgebaut wurde, war vom dafür eingesetzten Kran jedoch kein Motorenlärm zu hören. Das Projekt wurde von der Clausen Kran AG mit ihrem neuen, strombetriebenen Kompaktkran LTC 1050-3.1E von Liebherr umgesetzt.

Pioniergeist und beherzte Entscheidungen – dafür ist das Ehepaar Cornelia Clausen-Ogi und Geri Clausen bekannt. Es wundert daher nicht, dass die beiden die Ersten sind, die sich für den elektrobetriebenen LTC 1050-3.1E in Verbindung mit dem Liebherr-Batteriespeicher Liduro Power Port entschieden haben. Seit einigen Monaten schicken sie diese umweltschonende Kombination aus Kran und autarker Stromquelle auf ihre Baustellen im Wallis und darüber hinaus. Einer der ersten Einsätze des Liebherr-Kompaktkrans führte ins autofreie Zermatt, rund 40 Kilometer Luftlinie vom Firmensitz entfernt. Eine provisorische Schule, die aus 80 großen Containern zusammengesetzt war, musste nach fünf Jahren der Nutzung wieder abgebaut werden. Der Kompaktkran von Liebherr war sechs Tage lang damit beschäftigt und hat in dieser Zeit weder Lärm noch Abgase emittiert.

Innovativ: Cornelia Clausen-Ogi und Geri Clausen vor ihrem strombetriebenen Kompaktkran
„Wir haben uns früh für den strombetriebenen Kran interessiert und schließlich unseren erst fünf Jahre alten LTC 1050-3.1 durch den E-LTC ersetzt. Wir möchten möglichst umweltschonend arbeiten und unseren Kunden auch emissionsfreie Kranarbeiten anbieten. Oft sind wir in den autofreien Gemeinden Zermatt und Saas-Fee tätig, und auch für Indoor-Einsätze ist der Elektro-Kran natürlich ideal“, erzählt Geri Clausen. Zusammen mit seiner Ehefrau führt er das auf Transport und Kranarbeiten spezialisierte Unternehmen. Er steht dabei direkt neben seinem neuen LTC 1050-3.1E, der gerade einen der vielen Container auf das bereitstehende Transportfahrzeug verlädt. Ruhig surrt der Elektromotor und die Hydraulikpumpen des Krans sind nur leise zu hören. Kein Vergleich zur sonst üblichen Geräuschkulisse einer Baumaschine. Ein paar Meter daneben steht die Energiequelle für diesen Einsatz: ein großer Batteriespeicher, der über einen Ausgang mit 125 Ampere den Kran speist. Den zweiachsigen Trailer mit dem Liduro Power Port LPO 100 nimmt der Kompaktkran für jeden Einsatz an der Heckkupplung in Schlepptau.

Ein einziger Standort genügte dem LTC 1050-3.1E, um sämtliche Container zu heben. „Dank VarioBase® musste ich den Kran nicht umsetzen“, erklärt Kranfahrer Daniel Stadelmann. „Bei großen Ausladungen über die Stützen hebt der Kran 800 Kilogramm mehr als ohne das Steuerungsprogramm.“
„Den Trailer für den Liduro haben wir in der Schweiz nach unseren Vorstellungen und auf Maß anfertigen lassen“, erklärt Geri Clausen. „Der Batteriespeicher ist über Twist- Lock-Schnellverschlüsse gesichert und kann somit bei Bedarf auch separat abgestellt oder auf einen Lkw verladen werden.“ Der Anhänger ist mit Fernbedienung ganz einfach zu verfahren. „Für mich war das die Voraussetzung für diese Anschaffung. Da mit dem E-LTC in der Regel nur ein Mitarbeiter von uns auf die Baustelle geht, ist an ein Verschieben des über drei Tonnen schweren Hängers nicht zu denken. Darum haben wir uns diesen selbstfahrenden Trailer bauen lassen. Wenn der Kran umgesetzt werden muss oder der Speicher im Weg steht, kann unser Fahrer den Liduro unkompliziert und ohne fremde Hilfe bewegen.“ Das funktioniert wie bei großen Wohnwagen über einen Mover, also eine elektrische Rangierhilfe in Form von Rollen, die an den Reifen angebracht sind.


„Ich bin voll Elektrofan.“ Daniel Stadelmann fährt am frühen Morgen den Batteriespeicher hoch. „Die Ruhe bei der Arbeit ist einfach genial.“
„Du hörst Ventile, die du noch nie gehört hast“
„Oft lasse ich den Liduro aber einfach an der Heckkupplung meines Krans“, erklärt Daniel Stadelmann. „Jedenfalls immer dann, wenn die Gegebenheiten auf der Baustelle es erlauben.“ Er arbeitet seit vielen Jahren bei Clausen und hat bereits den Vorgänger-LTC gesteuert. Seine neue Maschine ist ihm schon nach wenigen Wochen ans Herz gewachsen. „Inzwischen bin ich voll Elektrofan“, sagt der erfahrene Kranfahrer. „Durch die Ruhe ist das Arbeiten viel angenehmer.

Easy: Das Mobiltelefon von Geri Clausen zeigt ihm die Liduro-Parameter in Echtzeit an
Und du hörst plötzlich Ventile, die du noch nie gehört hast“, berichtet er begeistert. „Zudem kann ich den Kran im Strombetrieb noch präziser fahren.“ Geri Clausen ergänzt: „Ähnlich wie beim Elektroauto ist die volle Leistung sofort abrufbar. Und das auch unter maximaler Belastung. Wenn wir den Teleskopmast aufwippen und die Last gleichzeitig hochziehen und schwenken, ist die volle Leistung direkt da – ohne die Verzögerung, die bei einem Dieselmotor auftritt. Wir haben keinerlei Einbußen. Im 125-Ampere-Modus liefert uns der Kran exakt 100 Prozent der Leistung wie im Betrieb mit Verbrennungsmotor.“

Geri Clausen verfährt er den 3 Tonnen schweren Trailer mit dem Batteriepack via Fernbedienung auf der Baustelle.
Aufgeladen wird der Batteriespeicher nicht nur auf den Baustellen, wo oftmals Drehstrom zur Verfügung steht. Das Dach des Depots der Clausen Kran AG in Gamsen beherbergt eine große Photovoltaikanlage. „Hier laden wir möglichst mit unserem eigenen Strom. Bei Sonnenschein ist die Batterie nach vier Stunden schon zu 90 Prozent ihrer Gesamtkapazität gefüllt“, erklärt Geri. „Außerdem haben wir auch einen Mehrfachnutzen durch den Speicher: Bei einem kürzlich aufgetretenen Stromausfall haben wir unser Netz an den Liduro gehängt und nach nur fünf Minuten war unsere Werkstatt wieder mit Strom versorgt.“ Doch zurück nach Zermatt. Auch die Gemeindeverwaltung, vertreten durch René Frauchiger, zeigte Interesse an dem Einsatz. Bei einem Baustellenbesuch konnte Frauchiger, der für die Liegenschaften der Gemeinde zuständig ist, die emissionsfreien Arbeiten des Krans in Augenschein nehmen. „Der geräuscharme und abgasfreie Einsatz ist doch ein großer Vorteil für alle. Ich persönlich finde das wirklich super.“

Sicherheitsaspekt: „Die Liftkabine bietet mir beste Sicht auf die Baustelle. Und ihre Klimaanlage ist toll!“
Innovativ mit „E“
Cornelia Clausen-Ogi und ihr Mann können sich vorstellen, ihren Fuhrpark um weitere strombetriebene Krane zu ergänzen. Emissionsfreie Kranarbeit ist aktuell ein Alleinstellungsmerkmal im Markt. Die Unternehmerin hat sogar ein eigenes Logo für ihre E-Maschinen entworfen und sich den Begriff „ENNOVATIV“ schützen lassen. „Der Liduro und der E-LTC tragen schon die neue Lackierung. Das bisher vorherrschende Rot auf unserem Equipment haben wir mit Weiß ergänzt. Zusätzlich ist das ‚E‘ im Firmennamen nun blau.“ Blau wie der saubere Himmel über Zermatt.
Dieser Artikel erschien im UpLoad Magazin 01 | 2026.


