Geschäftsentwicklung

Die Firmengruppe im Jahr 2019

Mit einem Umsatz von 11.750 Mio. € erzielte die Firmengruppe Liebherr im Jahr 2019 einen neuen Rekordwert. Insgesamt wurde eine Steigerung um 1.199 Mio. € oder 11,4 % im Vergleich zum Vorjahr erreicht.

Umsatz weltweit Mio. €

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Laut dem Internationalen Währungsfond sank das globale Wirtschaftswachstum im Jahr 2019 mit 3,0 % auf den geringsten Stand seit der Finanzkrise 2008 / 2009. Dabei lagen die Industrieländer mit einem Wachstum von 1,7 % leicht unter Vorjahresniveau. Auch die Schwellen- und Entwicklungsländer verzeichneten mit einem Zuwachs von 3,9 % einen geringfügigen Rückgang der Dynamik im Vergleich zum Vorjahr. Die US-amerikanische Wirtschaft wuchs mit 2,4 % schwächer als in 2018. Diesem Trend folgte auch die Eurozone; die mit 1,2 % ebenfalls unter dem Wachstumsniveau des Vorjahres lag. Auch die Welthandelsorganisation verzeichnete einen deutlich schwächeren internationalen Warenverkehr. Dieses begründet sich vor allem durch geopolitische Schwierigkeiten wie die Brexit-Verhandlungen und den Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Umsatzentwicklung nach Produktgruppen

Trotz der rückläufigen gesamtwirtschaftlichen Dynamik und der politischen Instabilitäten im Berichtsjahr, konnte die Firmengruppe Liebherr den dritten Rekordumsatz in Folge erzielen. Sowohl der Bereich Baumaschinen und Mining als auch die anderen Produktbereiche waren in 2019 gleichermaßen am Wachstum beteiligt. Mit Baumaschinen und Mining-Geräten verzeichnete die Firmengruppe einen Umsatz von 7.640 Mio. €, was einer Steigerung um 807 Mio. € oder 11,8 % entspricht. Dies umfasst die Sparten Erdbewegung, Fahrzeugkrane, Turmdrehkrane sowie Betontechnik und Mining. Die anderen Produktbereiche, darunter die Sparten Maritime Krane, Aerospace und Verkehrstechnik, Verzahntechnik und Automationssysteme, Hausgeräte, Komponenten und Hotels, vereinen einen Gesamtumsatz von 4.100 Mio. €, was einer Steigerung um 392 Mio. € oder 10,5 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Umsatzentwicklung nach Regionen

Der Erfolg des vergangenen Geschäftsjahres ist einer positiven Umsatzentwicklung in fast allen Absatzregionen der Firmengruppe geschuldet. In der Europäischen Union, die für die Firmengruppe den traditionell stärksten Markt darstellt, konnte der Umsatz erneut gesteigert werden. Dies kann insbesondere auf eine erfreuliche Entwicklung, vor allem in Deutschland und Frankreich, aber auch bspw. in Spanien und Dänemark, zurückgeführt werden. Auch andere europäische Länder wiesen einen deutlichen Umsatzzuwachs, unter anderem dank positiver Impulse aus Russland und Norwegen, auf. Die bedeutendste Steigerung verzeichnete die Firmengruppe in Nordamerika, mit einem Plus in den USA sowie in Kanada. Auch Asien und Ozeanien waren Wachstumstreiber. Insbesondere die Märkte Australien, China, Singapur und Japan unterstützen diese positive Entwicklung. Ebenso konnten in Afrika und im Nahen und Mittleren Osten leichte Umsatzsteigerungen erzielt werden. Dem stehen lediglich leichte Rückgänge in Mittel- und Südamerika gegenüber.

Jahresergebnis

Die Firmengruppe Liebherr erzielte 2019 ein Jahresergebnis von 429 Mio. € und liegt damit über Vorjahresniveau. Das Betriebsergebnis ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Das Finanzergebnis entwickelte sich stark positiv.

Beschäftigte

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein Schlüssel zum Erfolg der Firmengruppe: Mit ihrer Qualifikation, Begeisterung und ihrem Engagement tragen sie zum unternehmerischen Erfolg bei. Die langfristige Verpflichtung gegenüber den Beschäftigten entspricht der Tradition von Liebherr als Familienunternehmen.

Zum Ende des Jahres 2019 beschäftigte die Firmengruppe weltweit 48.049 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit erhöhte sich die Beschäftigtenzahl im Vergleich zum Vorjahr um 1.880 oder 4,1 %. Die Summe der Mitarbeitenden stieg besonders deutlich in Europa sowie in Asien und Ozeanien. Einen Anstieg der Beschäftigtenzahl verzeichnete die Firmengruppe allerdings ebenso in Nordamerika sowie in Mittel- und Südamerika, in Afrika und im Nahen und Mittleren Osten.

Im Wettbewerb um Fachkräfte ergriff Liebherr weitere Maßnahmen zur Stärkung seiner Arbeitgebermarke. Mit diesem Ziel wurde eine Image-Kampagne in Österreich gestartet, der weitere derartige Kampagnen in Ländern mit spürbarem Fachkräftemangel folgen werden. Daneben wurde die Präsenz von Liebherr als attraktiver Arbeitgeber in sozialen Netzwerken verstärkt.

Nachhaltigkeit

Die Firmengruppe hat den Anspruch, für Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und die Gesellschaft einen nachhaltigen Wert zu generieren. Als unabhängiges und langfristig orientiertes Familienunternehmen ist sich Liebherr seiner Verantwortung bewusst und setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung ein. Die Produkte, Prozesse und die Infrastruktur sind auf einen möglichst geringen Ressourcenverbrauch ausgerichtet. In allen Bereichen stehen Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit im Fokus. Im vergangenen Jahr arbeiteten zahlreiche Gesellschaften an Projekten mit Blick auf Nachhaltigkeit in sozialer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht.

Forschung und Entwicklung

Als Hochtechnologieunternehmen verfolgt die Firmengruppe das Ziel, den technologischen Fortschritt in den für Liebherr relevanten Branchen maßgeblich mitzugestalten. Im vergangenen Jahr investierte Liebherr deshalb 592 Mio. € in Forschung und Entwicklung. Ein Großteil davon floss in die Entwicklung neuer Produkte. Zahlreiche Forschungsprojekte mit Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstituten wurden initiiert und fortgesetzt.

Ein Schwerpunkt der Forschungstätigkeiten in 2019 war das Thema Elektrifizierung. Als Teil der EU-Technologie-Initiative „Clean Sky 2 / Horizon 2020“ forschte Liebherr an elektrischen Varianten von Flugsteuerungen, Fahrwerks- und Luftmanagementsystemen, die das Fliegen in Zukunft effizienter und umweltverträglicher gestalten sollen.

Auch bei den Baumaschinen und Mining-Geräten wurde intensiv an alternativen Antriebstechnologien gearbeitet. Erlebbar wurde dies auf der Bauma 2019 in München (Deutschland), auf der Produktneuheiten wie der vollelektrische Miningbagger R 9200 E sowie der dieselelektrische Muldenkipper T 236 vorgestellt wurden. Einen Meilenstein auf dem Weg zur emissionsfreien Baustelle erreichte Liebherr auf einer der größten Straßenbaustellen in Westösterreich. Dort war das erste akkubetriebene Großdrehbohrgerät weltweit im Einsatz: das LB 16 unplugged.

Weitere wichtige Forschungsthemen waren die Digitalisierung, die Sicherheit sowie die Automatisierung von Maschinen. Unter anderem wurden Assistenzsysteme entwickelt, die das sichere Bedienen von Baumaschinen unterstützen. Das Condition Monitoring, das die Überwachung von Komponenten in komplexen Maschinen und Systemen ermöglicht, ist nur ein Beispiel, wie Liebherr die digitale Transformation nutzbar macht. Darüber hinaus trat die Firmengruppe dem Hydrogen Council bei, einer globalen Initiative führender Energie- und Industrieunternehmen mit der gemeinsamen Vision die Wasserstofftechnologie zu fördern.

Investitionen Mio. €
** davon Mietpark

Investitionen

Für die Firmengruppe sind regelmäßige Investitionen in die Produktionsstätten und das weltweite Vertriebs- und Servicenetz traditionell von großer Bedeutung. Im vergangenen Jahr investierte die Firmengruppe 756 Mio. €. Die Investitionen gingen damit im Vergleich zum Vorjahr um 74 Mio. € oder 8,9 % zurück. Dem stehen Abschreibungen in Höhe von 541 Mio. € gegenüber.

Einen Investitionsschwerpunkt des Berichtsjahres stellten der Ausbau und die Modernisierung von Firmenstandorten sowie die Intensivierung der globalen Marktpräsenz dar.

Eine neue Produktionsstätte für die Sparte Betontechnik entstand in Bulgarien. Die Sparte Aerospace und Verkehrstechnik hat in Friedrichshafen (Deutschland), Toulouse (Frankreich), Singapur und Bulgarien Investitionen in Gebäude durchgeführt. Auch in Deutschland wurden umfangreiche Investitionen, beispielsweise in ein neues Vertriebs- und Service-Center im Hamburger Hafen getätigt. Am Standort Ochsenhausen (Deutschland) entstand ein neues Kundenzentrum für die Sparte Hausgeräte. Besucher aus aller Welt haben hier zukünftig die Möglichkeit, das aktuelle Sortiment an Kühl- und Gefriergeräten hautnah zu erleben.

Abschreibungen Mio. €
** davon Mietpark

Neben der technischen Modernisierung des Standorts in Kempten (Deutschland) im Produktsegment Verzahntechnik und Automation wurde im maritimen Bereich die Installation des TCC 78000, einem der leistungsstärksten schienengebundenen Schwerlastkrane der Welt, im Rostocker Hafen erfolgreich abgeschlossen. Der Kran ermöglicht den Aufbau des Offshore-Krans HLC 295000, des leistungsstärksten Krans den Liebherr jemals gebaut hat.

Zu den Investitionen in die globale Marktpräsenz zählen die neu gegründete Liebherr-Transportation Systems (China) Co., Ltd., die Produktionsstätte der Liebherr-Verzahntechnik in Yongchuan (China) sowie die Kooperation der Komponenten-Sparte mit der Shanghai Diesel Engine Co., Ltd., einem Tochterunternehmen des größten Fahrzeug- und Komponentenherstellers des Landes.

Die Übernahme der neuseeländischen sowie der australischen Niederlassung eines Händlers mit allen Beschäftigten soll den Absatz von Turmdrehkranen in Australien und Neuseeland weiter verbessern und zur Stärkung des dortigen Kundenservice beitragen.

Risikomanagementsystem und Internes Kontrollsystem

Um einen nachhaltigen Erfolg der Firmengruppe sicherzustellen, werden Chancen und Risiken frühzeitig identifiziert und bewertet sowie kontrolliert. Mit Hilfe eines in der Firmengruppe verankerten Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, das kontinuierlich optimiert wird, begegnet die Firmengruppe betrieblichen, marktbezogenen sowie gesetzlichen Anforderungen.

Zur ganzheitlichen Erfassung, Analyse und Bewertung von Risiken sind sämtliche Verantwortungsträger über die bei den einzelnen Gesellschaften der Firmengruppe eingesetzten Risikomanagement- und Internen Kontrollsysteme eingebunden. Risiken werden in den einzelnen Gesellschaften dezentral identifiziert und beurteilt, Gegenmaßnahmen zur Begrenzung der Risiken eingeleitet und Auswirkungen bewertet.

Dieser dezentrale Ansatz erlaubt auch, Chancenfelder effizient zu identifizieren und zu beurteilen. Gewonnene Informationen über marktbezogene und technologische Entwicklungen finden im Rahmen des Chancenmanagements Eingang in die Entscheidungsfindung über zukünftige Geschäftsfelder und Produktionsverfahren.

Auf Konzernebene erfolgt eine regelmäßige Abfrage zur aktuellen Risikosituation und eine Beurteilung der Wirksamkeit der eingesetzten Systeme und Prozesse. Die interne Revision kontrolliert die Einhaltung der Konzernrichtlinien sowie die Umsetzung der Risikomanagement- und Internen Kontrollsysteme.

Ausblick: Das Jahr 2020

Die Auftragslage der Firmengruppe zum Jahresende 2019, sowie weit in das erste Quartal 2020 hinein, ist als sehr gut zu bezeichnen. Die durch das Auftreten des Coronavirus teilweise deutlich eingeschränkte Geschäftstätigkeit in vielen Märkten wird selbstverständlich die Umsätze des Jahres 2020 beeinflussen. In welchem Ausmaß die Auswirkungen spürbar sein werden, kann zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Geschäftsberichtes nicht verlässlich prognostiziert werden. Allerdings stellt die Firmengruppe Liebherr sicher, dass alle Organisationseinheiten die erforderlichen Maßnahmen umgesetzt haben, die für die gewohnt zuverlässige Bedienung der Kundenachfrage, auch in 2020 und darüber hinaus, notwendig sind. Die Finanzkraft der Firmengruppe ermöglicht eine rasche Wiederaufnahme von reduzierten Aktivitäten in Produktions- bzw. Vertriebs- und Serviceeinheiten.

* Restatement aufgrund von Erstanwendung IFRS 9 / 15 / 16.

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