Geschäftsentwicklung

Die Firmengruppe im Jahr 2018

Die Firmengruppe Liebherr übertraf im Jahr 2018 mit einem Umsatz von 10.551 Mio. € erstmals in ihrer Geschichte die Marke von zehn Milliarden Euro. Insgesamt wurde eine Steigerung um 739 Mio. € oder 7,5 % im Vergleich zum Vorjahr erzielt.

Umsatz weltweit Mio. €

Gesamtwirtschaftliche Entwicklung

Im Jahr 2018 lag das globale Wirtschaftswachstum laut dem Internationalen Währungsfonds mit 3,7 % geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres. Eine ähnliche Entwicklung war in den Industrieländern mit einem Wachstum von 2,3 % zu beobachten. Auch die Schwellen- und Entwicklungsländer lagen mit 4,6 % geringfügig unter dem Wachstum des Vorjahres. Während die US-amerikanische Wirtschaft mit 2,9 % stärker zulegte als im Vorjahr, wuchs die Eurozone mit 1,8 % schwächer als zuvor.

Umsatzentwicklung nach Produktbereichen

Trotz dem leicht rückläufigen, gesamtwirtschaftlichen Wachstum war 2018 ein Rekordjahr für die Firmengruppe Liebherr. Sowohl der Bereich Baumaschinen und Mining als auch die anderen Produktbereiche verzeichneten insgesamt gestiegene Umsätze. Bei den Baumaschinen und Mining-Geräten stieg der Umsatz um 667 Mio. € oder 10,8 % auf 6.833 Mio. €. Dazu zählen insbesondere die Sparten Erdbewegung, Fahrzeugkrane, und Mining. In den anderen Produktbereichen, zu denen die Sparten Maritime Krane, Aerospace und Verkehrstechnik, Verzahntechnik und Automationssysteme, Hausgeräte sowie Komponenten und Hotels zählen, konnte der Umsatz insgesamt um 72 Mio. € oder 2,0 % auf 3.718 Mio. € gesteigert werden.

Umsatzentwicklung nach Regionen

Der Rekordumsatz im Jahr 2018 lässt sich auf eine sehr erfreuliche Entwicklung von Konjunktur und Nachfrage in mehreren Absatzregionen zurückführen. Innerhalb der Europäischen Union, der für Liebherr bedeutendsten Region, konnte der Absatz erneut gesteigert werden. Dies lässt sich unter anderem auf das erneute Wachstum in Deutschland, dem für Liebherr größten Markt, sowie auf die positive Entwicklung in Frankreich und Großbritannien zurückführen. In den Nicht-EU-Ländern sank der Absatz im Vergleich zum Vorjahr, bedingt durch die rückläufige Entwicklung in Russland. Sehr positiv entwickelten sich zudem die Geschäfte in Nordamerika, Mittel- und Südamerika sowie in Asien und Ozeanien. Treiber dieser Entwicklung waren insbesondere die Märkte USA, Australien und China. Dem stehen lediglich geringe Rückgänge in Afrika und im Nahen und Mittleren Osten gegenüber.

Jahresergebnis

Die Firmengruppe Liebherr erzielte 2018 ein Jahresergebnis von 321 Mio. € und liegt damit leicht über Vorjahresniveau. Das Betriebsergebnis ist im Vergleich zum Vorjahr nicht wesentlich gestiegen. Das Finanzergebnis sank, vor allem aufgrund von negativen Währungseinflüssen.

Beschäftigte

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein Schlüssel zum Erfolg der Firmengruppe: Mit ihrer Qualifikation, Begeisterung und ihrem Engagement tragen sie zum unternehmerischen Erfolg bei. Die langfristige Verpflichtung gegenüber den Beschäftigten entspricht der Tradition von Liebherr als Familienunternehmen.

Im Geschäftsjahr 2018 hat sich die Mitarbeiterzahl signifikant erhöht. Weltweit beschäftigte die Firmengruppe Liebherr 46.169 Personen. Das entspricht einem Anstieg um 2.300 Mitarbeitende oder 5,2 % im Vergleich zum Vorjahr. Während in den Liebherr-Gesellschaften in Europa, in Nordamerika, in Mittel- und Südamerika sowie in Asien und Ozeanien die Zahl der Beschäftigten zunahm, war in Afrika und im Nahen und Mittleren Osten ein Rückgang zu verzeichnen.

Im Berichtsjahr hat die Firmengruppe ihre Recruiting-Maßnahmen für Auszubildende und Absolventen intensiviert. Zur Stärkung der Personalentwicklung wurde zudem mit der Einführung einer einheitlichen Learning-Management-Software begonnen.

Nachhaltigkeit

Die Firmengruppe hat den Anspruch, für Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und die Gesellschaft einen nachhaltigen Wert zu generieren. Als unabhängiges und langfristig orientiertes Familienunternehmen ist sich Liebherr seiner Verantwortung bewusst und setzt sich für eine nachhaltige Entwicklung ein. Die Produkte, Prozesse und Infrastruktur sind auf einen möglichst geringen Ressourcenverbrauch ausgerichtet. In allen Bereichen stehen Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit im Fokus. Im vergangenen Jahr arbeiteten zahlreiche Gesellschaften an Projekten mit Blick auf Nachhaltigkeit in sozialer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht.

Forschung und Entwicklung

Als Hochtechnologieunternehmen verfolgt die Firmengruppe das Ziel, den technologischen Fortschritt in den für Liebherr relevanten Branchen maßgeblich mitzugestalten. Im vergangenen Jahr investierte Liebherr deshalb 586 Mio. € in Forschung und Entwicklung. Ein Großteil davon fließt in die Entwicklung neuer Produkte. Zahlreiche Forschungsprojekte mit Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstituten wurden initiiert und fortgesetzt. Ein Themenschwerpunkt dieser Forschungsprojekte ist die Baustelle der Zukunft. So ging Liebherr eine Entwicklungspartnerschaft mit der RWTH Aachen im Rahmen des Center Construction Robotics ein. Das Ziel der Kooperation ist es, die Digitalisierung von der Vorproduktion über die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zur teilautomatisierten Baustelle neu zu entwickeln. Auch in dem vom VDMA initiierten Gemeinschaftsprojekt „Bauen 4.0“ werden Möglichkeiten erforscht, die Effizienz und Produktivität von Bauprozessen durch Vernetzung und Kommunikation zu steigern.

Wesentliche Themen über die große Bandbreite an Produkten und Leistungen hinweg sind seit mehreren Jahren die Steigerung der Energieeffizienz, der Leichtbau sowie die Automatisierung und Vernetzung von Produkten. Ein bedeutendes Projekt ist die Erforschung von additiven Fertigungsverfahren in der Luftfahrt. Ein Meilenstein des Projekts war im vergangenen Jahr die Auslieferung des ersten Serienbauteils aus der 3D-Druckproduktion. Eine im additiven Druckverfahren gefertigte Halterung für das Bugfahrwerk des Airbus A350 XWB ist das erste Airbus-System-Teil, das für den 3D-Druck qualifiziert ist. Mit der Entwicklung von Ladekabel-Kühleinheiten für Ladestationen und der Forschung an einem elektrischen Turbokompressor für brennstoffzellenbetriebene Fahrzeuge fördert die Firmengruppe zudem das Thema E-Mobilität.

Investitionen Mio. €
** davon Mietpark

Investitionen

Für die Firmengruppe sind regelmäßige Investitionen in die Produktionsstätten und das weltweite Vertriebs- und Servicenetz traditionell von großer Bedeutung. Im vergangenen Jahr investierte die Firmengruppe 830 Mio. € und steigerte damit ihre Investitionen im Vergleich zum Vorjahr um 52 Mio. €. Dem stehen Abschreibungen in Höhe von 511 Mio. € gegenüber.

Wesentliche Investitionen flossen 2018 in den Ausbau von verschiedenen Firmenstandorten. Am Standort Kirchdorf an der Iller (Deutschland) wurde ein neues Entwicklungs- und Vorführzentrum eingeweiht. Darin werden neue Bau- und Materialumschlagmaschinen entwickelt, getestet und geprüft. Zudem wurde mit dem Bau eines neuen Logistikzentrums begonnen. Die Firmengruppe investierte zudem in Bad Schussenried (Deutschland) als neuen Produktionsstandort für Betonpumpen. In Bulle (Schweiz) und Colmar (Frankreich) wurden neue Fertigungslinien für Großmotoren eingerichtet. Und in Toulouse (Frankreich) wird ein neues Aerospace-Trainingscenter für Mitarbeiter und Kunden geplant.

Abschreibungen Mio. €
** davon Mietpark

Im Rostocker Hafen beginnt Liebherr mit der Installation eines der leistungsstärksten landgebundenen Schwerlastkrane. Der landgebundene Portalkran TCC 78000 soll künftig nicht nur für das Verladen immer größer werdender Liebherr-Krane genutzt werden, sondern wird auch für externen Schwerlastumschlag im Hafen Rostock zur Verfügung stehen.

Außerhalb Europas investierte Liebherr unter anderem in den Ausbau des Standorts Newport News (USA). Die Erweiterung für die Bereiche Krane, Baumaschinen und Betontechnik soll die langfristige Wachstumsstrategie der Firmengruppe im US-amerikanischen Markt stützen.

Risikomanagementsystem und Internes Kontrollsystem

Um einen nachhaltigen Erfolg der Firmengruppe sicherzustellen, werden Chancen und Risiken frühzeitig identifiziert und bewertet sowie kontrolliert. Mit Hilfe eines in der Firmengruppe verankerten Risikomanagement- und Internen Kontrollsystems, das kontinuierlich optimiert wird, begegnet die Firmengruppe betrieblichen, marktbezogenen sowie gesetzlichen Anforderungen. Zur ganzheitlichen Erfassung, Analyse und Bewertung von Risiken sind sämtliche Verantwortungsträger über die bei den einzelnen Gesellschaften der Firmengruppe eingesetzten Risikomanagement- und Internen Kontrollsysteme eingebunden. Risiken werden in den einzelnen Gesellschaften dezentral identifiziert und beurteilt, Gegenmaßnahmen zur Begrenzung der Risiken eingeleitet und Auswirkungen bewertet.

Dieser dezentrale Ansatz erlaubt auch, Chancenfelder effizient zu identifizieren und zu beurteilen. Gewonnene Informationen über marktbezogene und technologische Entwicklungen finden im Rahmen des Chancenmanagements Eingang in die Entscheidungsfindung über zukünftige Geschäftsfelder und Produktionsverfahren. Auf Konzernebene erfolgt eine regelmäßige Abfrage zur aktuellen Risikosituation und eine Beurteilung der Wirksamkeit der eingesetzten Systeme und Prozesse. Die interne Revision kontrolliert die Einhaltung der Konzernrichtlinien sowie die Umsetzung der Risikomanagement- und Internen Kontrollsysteme.

Nachtragsbericht

Ereignisse von besonderer Bedeutung, die nach dem Abschlussstichtag eingetreten sind, und ihre erwarteten Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage, sind darzustellen. Nach dem Schluss des Geschäftsjahres 2018 gab es innerhalb der Firmengruppe Liebherr keine Vorgänge von besonderer Bedeutung.

Ausblick: Das Jahr 2019

Der Internationale Währungsfonds erwartet 2019 mit 3,5 % ein schwächeres globales Wirtschaftswachstum als noch im Berichtsjahr. Gleiches gilt mit einem Wachstum von 2,0 % für die Industrieländer. Auch die Wachstumsdynamik der Schwellen- und Entwicklungsländer schwächt sich mit 4,5 % geringfügig ab.

Die Welthandelsorganisation prognostiziert für 2019 einen moderaten Rückgang des Handelszuwachses von 3,9 % auf 3,7 %. Laut dem Forschungsnetzwerk Euroconstruct verliert die Baubranche in Europa an Schwung. Die Märkte sowohl in Deutschland als auch in den meisten anderen europäischen Ländern wachsen voraussichtlich weniger stark als noch 2018. Die Internationale Flug-Transport-Vereinigung IATA blickt hingegen mit vorsichtigem Optimismus in das Jahr 2019.

Nachdem die Preise für energetische Rohstoffe 2018 rund 33 % über denen von 2017 lagen, sollen sie sich laut Prognosen der Weltbank 2019 stabilisieren. Bei nicht-energetischen Rohstoffen sei eine moderate Preissteigerung von + 1,0 % zu erwarten.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass weiterhin keine Anzeichen einer drohenden Rezession festzustellen sind und sich die Nachfrage in den meisten Regionen und Branchen auch im Jahr 2019 durchaus sehr positiv entwickeln kann.

Einzelne Chancen und Risiken

Für die Darstellung der einzelnen Chancen und Risiken erfolgt eine Zusammenfassung gleichartiger Risiken und Chancen.

Gesamtwirtschaftliche Chancen ergeben sich aus dem Wachstum der Weltkonjunktur. Geopolitische Unsicherheit schafft hingegen die Eskalation vieler Handelskonflikte. Ein Beispiel hierfür sind die höheren Zolltarife der USA und die daraus resultierenden Vergeltungsmaßnahmen ihrer Handelspartner. Besonders hart trifft dieser Konflikt die Volksrepublik China, deren nachlassendes Wachstum ein weiteres Risiko birgt. Auch die andauernden Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich und die Neuverhandlung von Freihandelsabkommen tragen dazu bei. Ein weiteres Risiko birgt zudem die teilweise sehr hohe Verschuldung vieler Staaten.

In den einzelnen Kapiteln zu den Sparten wird über die korrespondierenden Chancen und Risiken berichtet. Leistungswirtschaftliche Risiken der Firmengruppe können bestimmte Kostenänderungen infolge zunehmender makroökonomischer Unsicherheiten oder konjunkturbedingter Einflüsse, die nicht unmittelbar durch vertragliche Preisindexierungen weitergegeben werden können, bedingen.

Aus dem operativen Geschäft ergeben sich Marktpreisrisiken insbesondere durch Währungs- und Zinsschwankungen. Liebherr kontrolliert diese Risiken fortlaufend und sichert ausgewählte Transaktionen mit geeigneten Finanzinstrumenten ab. Dabei geht die Firmengruppe nur Finanztransaktionen ein, die im Zusammenhang mit der operativen Geschäftstätigkeit stehen und der Absicherung dienen. Transaktionen mit Spekulationshintergrund betreibt Liebherr grundsätzlich nicht.

Die globale Ausrichtung der Geschäftsaktivitäten sowie eine breite Produktdiversifikation in Verbindung mit einem in der Firmengruppe verankerten Risikomanagementsystem gewährleisten die Beherrschung der relevanten Risiken. Auf Basis der derzeit bekannten Informationen sind keine weiteren Risiken zu erkennen, die im Geschäftsjahr 2018 die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage von Liebherr wesentlich beeinträchtigen und den Fortbestand der Firmengruppe insgesamt gefährden könnten.

Prognose für die Firmengruppe

Trotz dem leicht rückläufigen Wachstum der Weltwirtschaft rechnet die Firmengruppe für das Jahr 2019 mit einer weiteren Steigerung des Umsatzes. Darauf lassen besonders die bereits zu Beginn des Jahres sehr gut gefüllten Auftragsbücher schließen. Sowohl im Bereich Baumaschinen und Mining als auch in den anderen Produktbereichen rechnet Liebherr mit einer positiven Entwicklung. Spürbare Zuwächse werden insbesondere in den Sparten Erdbewegung, Mining und Hausgeräte prognostiziert.

Die Firmengruppe wird auch weiterhin erheblich in die internationalen Fertigungsstätten und in das Vertriebs- und Servicenetz investieren. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Liebherr-Gesellschaften wird erneut steigen.

* Restatement aufgrund von Erstanwendung IFRS 9 / 15 / 16.

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