26.11.2018 Mobilkrane von Liebherr geleiten Wuppertaler Schwebebahnen in den Ruhestand

  • Zusammenarbeit von zwei LTF 1060-4.1 der Firma Neeb
  • 24 Bahnen der Wuppertaler Schwebebahn abgenommen
  • Alle ausrangierten Bahnen finden neues Zuhause

Nach rund 45 Jahren in Betrieb tauschte die WSW Mobil, Betreibergesellschaft der Wuppertaler Schwebebahn, die letzten Bahnen der Generation 72 aus. Nach größtenteils 45 Jahren im Einsatz wurden die Bahnen ausrangiert und an neue Standorte gebracht. Nachdem ein wahrer Hype um die alten Bahnen ausgebrochen war, wurden diese nicht nur verkauft, sondern teilweise sogar verlost. Beim Aufbau an einem neuen Standort waren zwei Mobilkrane des Typs LTF 1060-4.1 der Firma Neeb im Einsatz.

Vogelperspektive: Neue Heimat für alte Schwebebahnen.

Vogelperspektive: Neue Heimat für alte Schwebebahnen.

Ein Stück Geschichte am Haken

Ein Tandemhub von zwei Mobilkranen besiegelt das Ende einer ganzen Generation. Während die beiden Teleskop-Aufbaukrane der Firma Neeb die letzte Bahn der Wuppertaler Schwebebahn an ihre künftige Ruhestätte hängt, findet gleichzeitig ein Stück Geschichte ihr Ende. Die Bahn, die sonst nur in der Schwebebahnwerkstatt mit Hallenkranen gehoben wird, wurde das letzte Mal vom Gerüst abgedockt, auf Tieflader verladen und von den beiden LTF 1060-4.1 an ein extra dafür erstelltes Haltegerüst gehängt. Die Wagen der Schwebebahn waren seit 1972 im Einsatz, daher auch der Name GTW 72, was für „GelenkTriebWagen Baujahr 1972“ steht. Während vier der ursprünglich 28 Bahnen vorzeitig stillgelegt wurden, konnten die 24 übrigen Bahnen bis 2016 genutzt werden. Seitdem wurden die Bahnen sukzessive abgenommen und durch die neue Generation GTW 15 ersetzt. Eine Bahn vom Typ GTW 72 besteht dabei immer aus zwei Endwagen sowie einem kurzen Mittelstück und verfügt über 48 Sitz- und 156 Stehplätze. Die Höchstgeschwindigkeit der Schwebebahn liegt übrigens bei 60 km/h, die auf der 13,3 Kilometer langen Strecke mit den 20 Haltestellen aber nur selten erreicht wird. Die Trasse führt rund 10 Kilometer über die Wupper und 3 Kilometer über Land. Jährlich wird die unter Denkmalschutz stehende Bahn von rund 25 Millionen Fahrgästen genutzt.

Tandemhub: Zwei Liebherr-Teleskopaufbaukrane LTF 1060-4.1 montieren die Schwebebahn an ein neues Hängegerüst.

Tandemhub: Zwei Liebherr-Teleskopaufbaukrane LTF 1060-4.1 montieren die Schwebebahn an ein neues Hängegerüst.

Verladung und Abtransport

Nach Bekanntgabe der Ausmusterung der GTW 72 Bahnen brach ein großer Hype um die einzelnen Bahnen aus – so war an eine Verschrottung nicht zu denken. Stattdessen wurden 21 Bahnen verkauft und drei Bahnen am Ende über einen Wettbewerb verlost. Die Bedingungen für alle Käufer waren: Transport und Aufstellung müssen vom Käufer übernommen werden, ebenso bedarf es eines Fundaments mit entsprechender Tragfähigkeit. Wird die Bahn aufgestellt statt schwebend montiert, müssen zudem der komplette Fahrmotorensatz und die Drehgestelle entfernt werden, da sonst der Wagenkasten dem entsprechenden Druck nicht standhält.

Mit den beiden LTF 1060-4.1 wurde nun eine Bahn wieder vom Tieflader gehoben und an ein extra dafür gefertigtes Gerüst bei der Wuppertaler Firma Knipex montiert. Für die beiden Teleskopkrane mit einer maximalen Traglast von jeweils 60 Tonnen war es die Hauptaufgabe, die Bahn unbeschädigt und sicher zu platzieren – von Käufer und Liebhabern wurde sie schließlich bereits sehnsüchtig erwartet. Die letzte abgenommene Bahn soll künftig das Zentrum einer Event-Location für Mitarbeiter und Besucher der Firma Knipex sein. In diesem Fall konnte sie auch komplett montiert werden, da sie auch künftig schwebt anstatt auf Fundamenten aufgestellt zu stehen.

Event-Location: Die historischen Bahnen werden künftig das Zentrum eines Veranstaltungsgeländes für Mitarbeiter und Besucher der Firma Knipex sein

Event-Location: Die historischen Bahnen werden künftig das Zentrum eines Veranstaltungsgeländes für Mitarbeiter und Besucher der Firma Knipex sein

Neue Heimat für die GTW 72 Bahnen

Viele der Bahnen sind in Wuppertal geblieben – was ebenfalls eine der Voraussetzungen war, um eine Bahn zu bekommen. Der Großteil der Bahnen wurde dabei auf Fundamente gesetzt, teilweise wurden Bahnen restauriert. Eine Bahn wird derzeit in ein Bistro verwandelt. Aber auch andere Bahnen wurden neue, unkonventionelle Aufgaben zu Teil: Vom Spielgerät über die Nutzung als Tribüne am Rande des Fußballfeldes bis hin zur Event-Location.