
4 Minuten - Magazin 01 | 2026
Old but gold
Wer sich auf dem Werksgelände in Ehingen umschaut, entdeckt zwischen hochmodernen Mobilkranen einen Oldtimer mit ungewohnter Typenbezeichnung: den LI 1010.
LI-Krane – kompakt, robust und ein Stück Liebherr-Geschichte
Dieser Liebherr-Industriekran ist ein Relikt aus den 1970er Jahren und zieht mitunter mehr Aufmerksamkeit von Werksbesuchern auf sich als ein Modell der neuesten Generation.

Ursprünglich für Arbeiten in der Industrie und auf Baustellen konzipiert, wurde der LI 1010 von 1973 bis 1978 gebaut. Der ehemalige Einsatzort unseres Exemplars: das Stahllager auf dem Ehinger Werksgelände und später die Bauabteilung. Mit einer Breite von 2,5 Metern und einer Höhe von unter 3 Metern ist er besonders wendig und kompakt – ideal für Einsätze auf engem Raum oder in Gebäuden.
„Der LI 1010 kann mit Last verfahren, ohne sich ständig abstützen zu müssen – ein echter Vorteil bei Montagearbeiten“, sagt Fertigungsmeister Paul Ried. Heute kommt der 2-Achser bei der Montage von Ausrüstungsteilen wie beispielsweise Doppelklappspitzen auf der Mobilkranabnahme zum Einsatz.

Die drei von der Abnahme: V.l.n.r.: Paul Ried, Jürgen Seiffert und Julian Spranz.
Restaurierung mit Herzblut
Der LI 1010 war nach Jahrzehnten intensiver Nutzung stark beansprucht. Weiterhin voll funktionsfähig, kam eine Verschrottung nicht infrage – ein Restaurierungsprojekt stand an: Also baute ein dreiköpfiges Team den Kran im Frühjahr 2025 auseinander und erneuerte Hydraulikschläuche, Reifen, Elektrik, Getriebeschaltung, Auspuff und Bleche. „Wir hatten den Anspruch, den Kran in den Zustand seiner ersten Tage zu versetzen. Ganz allein hätten wir das natürlich nicht geschafft“, berichtet Ried und betont die gute Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen: Die Lackierung wurde zum Azubi-Projekt und innerhalb von vier Monaten erstrahlte der Industriekran in seinen ursprünglichen Farben.
Auch der Customer Service war mit im Boot: „Ersatzteile waren meist noch im Haus verfügbar, fehlende Komponenten wurden über externe Zulieferer beschafft. Ein Hersteller hat sogar noch die Form für ein Alugussteil gefunden und dieses nachproduziert“, erzählt Vorarbeiter Julian Spranz. „Der Schreiner hat uns Holzbalken gefertigt, die als Stoßbalken verbaut wurden, und die Reparaturabteilung ist uns bei der Erneuerung der Fensterdichtungen mit Rat und Tat zur Seite gestanden.“

Selbst die alte Bedienungsanleitung samt Schaltplan tauchten im Unterwagen des LI 1010 auf
Massiver Stahlbau: einfach und gut
Der LI 1010 hat das Werk nie verlassen und ist heute der älteste Kran auf dem Hof. Problemlos besteht er die jährliche UVV-Prüfung, und auch die Lastmomentbegrenzung funktioniert wieder einwandfrei. „Da wir so positive Erfahrungen während all der Jahre mit diesem Modell gemacht haben, schafften wir noch zwei weitere Industriekrane an“, sagt Ried. Den letzten im Herbst 2025 bei einer Firma im nahegelegenen Biberach an der Riß. Die Modelle vom Typ LI 1012, beide Baujahr 1992, sind noch in einem sehr guten Zustand und bedurften nur wenig Überarbeitung. „Das ist massiver Stahlbau – einfach und gut gemacht. Diese Maschinen verlieren kaum an Wert“, schwärmt Spranz und fährt fort: „Liebherr hat die LI-Krane weltweit ausgeliefert, wie viele davon noch im Einsatz sind, wissen wir leider nicht.“

Blickfang auf dem Abnahmeplatz
Alle drei LI-Krane sind täglich im Einsatz und laufen nach wie vor bis zu 600 Arbeitsstunden pro Jahr. „Manchmal machen Kunden mehr Fotos von den alten Kranen als von den Neugeräten. Mehrfache Anfragen zum Verkauf haben wir konsequent abgelehnt – der Kran bleibt ein Teil der Liebherr-Geschichte“, schmunzelt Ried.
Technische Daten: LI 1010
- Nimmt bis zu 10 Tonnen Last auf
- Fährt mit bis zu 25 km / h
- Verfügt über einen 12 Meter langen Teleskopausleger
- Sein luftgekühlter Deutz-Motor trotzt selbst eisigen Wintern, und die Bedienung ist so einfach, dass Technikbegeisterte ins Schwärmen geraten
Dieser Artikel erschien im UpLoad Magazin 01 | 2026.


