
Quer durch Kalender und Kulturen
In über 50 Ländern tätig vereint die Firmengruppe Liebherr zahlreiche Kulturen und Traditionen. Wie regionale und religiöse Neujahrstraditionen sieben Mitarbeitende in China, Spanien, Südafrika, Thailand, Chile und Australien prägen, zeigt diese Reise quer durch Kalender und Kulturen.
Jahreswechsel rund um die Welt
Es ist der letzte Tag des Jahres: Chris Jamieson genießt ein Eis vor dem großen Feuerwerk, während Constanza Toro für ihre Familienmitglieder je zwölf Trauben für Mitternacht bereitlegt. Im Gegensatz dazu sitzt Nadia Thalib bedächtig in ihrem Zuhause und reflektiert über die vergangenen Monate. Javier Garayoa genießt ebenfalls die Ruhe in seinem Wohnzimmer, doch auf den Straßen seiner Heimatstadt tanzen junge Leute verkleidet durch die Gassen. Gefeiert wird kurz vor dem Jahreswechsel auch bei Selvin Levendal, Seksan Srakaew und Owen Xu. Gemeinsam mit Familie und Freunden kommen sie an einem reich gedeckten Tisch zusammen.
Die sieben Liebherr-Mitarbeitenden heißen ein neues Jahr willkommen. Doch sie feiern nicht gemeinsam am gleichen Ort und teilweise nicht mal am selben Tag. So vielfältig wie die Firmengruppe selbst ist die Art, wie die Mitarbeitenden den Jahreswechsel begehen. Mit den Werten und Bräuchen, die sie zuhause leben, gestalten sie auch das Miteinander bei Liebherr.
Owen Xu in China: Zuhause ins Glück
Der Urlaub steht an: Owen Xu hat seine Aufgaben abgeschlossen, er verlässt mit einem Lächeln das Gebäude der Liebherr (China) Co., Ltd. Dort arbeitet er als Ingenieur für Umwelt, Gesundheit und Sicherheit und kümmert sich um die nachhaltige Weiterentwicklung der Gesellschaft. Seine Vorfreude hat einen bestimmten Grund: der anstehende Jahreswechsel. Owen Xu feiert das chinesische Neujahr, das auf dem Mondzyklus basiert. Die Feierlichkeiten finden meist zwischen Januar und Februar nach gregorianischem Kalender statt. Zu dieser Zeit fährt Owen Xu immer von Shanghai zurück in seine 2.000 km entfernte Heimat, in die Qinghai-Provinz. Endlich sieht er seine Familie wieder. Für die Jüngsten hat er „Lucky Money“ eingepackt. Kinder erhalten von ihren Verwandten Geld in roten Couverts, was Glück bringen soll. Genau wie die „Red Couplets“ – Karten, auf die Owen Xu seine eigenen Wünsche schreibt und dann an der Tür seines Elternhauses befestigt.

Chinesisches Neujahr
Der chinesische Kalender basiert auf dem Mondzyklus, wobei ein Jahr aus 12 oder 13 Monaten besteht. Das chinesische Neujahr fällt jeweils auf den zweiten Neumond nach der Wintersonnenwende und dauert 15 Tage. Nach dem gregorianischen Kalender liegt dieser Zeitraum zwischen dem 21. Januar und 20. Februar. Die Ursprünge liegen in Bräuchen, die den Anfang des Frühlings markierten. Weiter besagt eine Legende, dass Dorfbewohner ein Monster, das sie jährlich heimsuchte, mit lauten Geräuschen und der Farbe rot vertrieben haben. Diese Elemente sind weiterhin in der Tradition verankert. Heutzutage feiert man nicht nur in China, sondern in allen Ländern mit einer hohen chinesischen Diaspora.
Der Höhepunkt des Zusammenkommens der Familie ist das Reunion Dinner, eine bedeutsame Tradition für den Abend. Owen Xu bereitet mit seiner Familie Dumplings und weitere Köstlichkeiten zu. Um den reich gedeckten Tisch vereint, essen sie, tauschen sich aus. Im Hintergrund läuft das offizielle Neujahrsprogramm im Fernsehen – bis Mitternacht. Dann geht es für die Familie raus auf die Straße, Owen Xu darf das Feuerwerk zünden. In der gesamten Umgebung leuchten die Farbkörper auf, die Menschen wünschen sich gegenseitig Erfolg und vor allem viel Reichtum. Ab dann wird es ruhiger. Owen Xu besucht mit seiner Familie den Tempel und am Tag darauf bleiben sie alle bewusst zuhause. „Wir bringen nicht mal den Abfall weg. Sonst würde man direkt das Glück vertreiben“, erzählt Owen Xu. Wie verbringt die die Familie dann den Tag? „Wir spielen Mahjong, aber ich verliere immer“. Das herbeigewünschte Glück zeigt sich bei Owen Xu wahrscheinlich erst am zweiten Tag.
Selvin Levendal in Südafrika: Zwischen Braai und Karneval
Düfte von Feuer, Steaks und Maiskolben schweben durch einen Garten in Kapstadt (Südafrika). Mehr als 100 Leute haben sich an diesem Sommerabend versammelt, es wird gelacht und geredet. Frauen tragen Teller und Schüsseln voller Essen aus dem Haus. Das Brutzeln des Essens über dem offenen Feuer ist zu hören. Rundherum stehen einige Männer. Einer davon ist Selvin Levendal. Normalerweise verkauft er Ersatzteile bei Liebherr-Africa (Pty) Ltd. Doch am 31. Dezember ist er der Master des Braai – in Südafrika das typische Grillen auf offenem Feuer mit Holz. Nachdem Selvin Levendal am früheren Abend in der Kirche war, ist er nun bei seiner Mutter zuhause. Als Älteste in der Familie richtet sie die Silvesterparty aus. Dabei bringt jeder Gast Essen mit, hauptsächlich für den Braai. Selvin bleibt den ganzen Abend am Feuer. Hungrig wird er dabei nicht: „Man muss ja das Essen auch immer wieder probieren“.

Silvester/Neujahr
Nach dem gregorianischen Kalender, einem Sonnenkalender, wird der letzte Tag des Jahres – oft Silvester genannt – am 31. Dezember gefeiert. Der Start des neuen Jahres liegt somit auf dem 1. Januar, was bereits Julius Caesar festgelegt hat. Bräuche wie Feuer – heute Feuerwerk – wurden dann von den Germanen eingeführt, um Geister zu vertreiben. Da der gregorianische Kalender weltweit verbreitet ist, wird in der Mehrheit der Länder am 31. Dezember die nächsten 365 Tage willkommen geheißen.
Bevor das neue Jahr eingeläutet wird, kommt die Menge für ein familieneigenes Ritual zusammen. „Kurz vor 12 Uhr kommt meine Mutter zu Wort. Sie spricht für das Wohl aller ein Gebet und wir gedenken den Verwandten, die nicht mehr unter uns sind, denn nicht alle gehen regelmäßig in die Kirche“, erklärt Selvin Levendal. „Aber dann öffnen wir den Sekt und wir genießen das Leben“. Die Party dauert oft lange und wer diese zuerst verlässt, hat am nächsten Morgen eine wichtige Aufgabe: Plätze an dem in den folgenden Tagen stattfindenden Kaapse Klopse-Karneval zu reservieren. Ein Straßenfest, das auf Südafrikas Geschichte beruht. Als im Land noch die Sklaverei herrschte, war der 2. Januar der einzige Tag, an dem die Sklaven nicht arbeiten mussten – eine Chance, ihr eigenes Neujahr zu feiern. Heute zieht sich der Karneval über mehrere Tage. Vereine ziehen verkleidet und musizierend durch die Straßen, im Stadion findet sogar ein Wettbewerb statt. Wer sich das Spektakel anschauen will, muss früh vor Ort sein oder sich einen Platz reservieren lassen. So machen es Selvin Levendal und seine Familie – so dass die Party direkt weitergehen kann.
Seksan Srakaew in Thailand: Der Segen des Wassers

Dass er jeden 13. April etwas mehr Geduld bei der Autofahrt aufbringen muss, erstaunt Seksan Srakaew nicht mehr. Songkran startet, das dreitägige, thailändische Neujahrsfest. Alle sind auf dem Weg zu ihren Familien, die Sonne brennt auf die vollgestopften Straßen. Seksan Srakaew hat ein paar Tage frei von seiner Arbeit als Store Officer bei Liebherr (Thailand) Co., Ltd. in Rayong. Er ist auf dem siebenstündigen Weg zu seiner Familie in die Provinz Buriram. Dort angekommen gesellt sich Seksan Srakaew zu einem Umzug hinzu. Mönche ziehen auf Wägen und zu Fuß durchs Dorf und sammeln Almosen. Auch Seksan Srakaew spendet etwas und übergießt die Hände der Mönche vorsichtig mit Wasser. Das Übergießen der Hände von älteren Personen oder Mönchen am Songkran symbolisiert Respekt. Die Jüngeren erhalten im Gegenzug Segen und Glückswünsche.
Songkran
Das thailändische Neujahrsfest Songkran findet immer vom 13. bis 15. April statt. Der Begriff stammt von einer altindischen Sprache ab und bedeutet, dass die Sonne sich in ein nächstes Tierkreiszeichen bewegt. Die Thai nennen spezifisch den Wechsel von Fische zu Widder Songkran und orientieren sich dabei am Siderischen Tierkreis. Dadurch fällt der Jahresanfang auf den 13. April. Den Ursprung hat das Fest mit all seinen Bräuchen und Ritualen in diversen Mythen. Auch in weiteren südostasiatischen Ländern wie Laos, Myanmar oder Kambodscha wird Songkran oder eine abgewandelte Form davon gefeiert.
Zurück vom Umzug ehrt Seksan Srakaew auch seine Eltern und Großeltern mit dem Wasser-Ritual. Vor ihnen kniend hält er eine kleine silberne Schüssel mit Wasser in der Hand. Es riecht nach Rosen und Jasmin. Mit Hilfe eines Blatts lässt er das Wasser langsam über die Hände seiner Vorfahren fließen. Um ihrem Enkel mit besonders viel Glück zu segnen, legt Seksan Srakaews Großmutter zusätzlich ihre Füße auf seinen Kopf – eine Tradition, die stark in der Familie verankert ist. Aus den ursprünglich kleinen Ritualen sind heutzutage in Thailand große Wasserspiele entstanden. „Ich habe hinten auf meinem Auto einen Container voll Wasser. Damit veranstalte ich Wasserschlachten mit meinen Neffen und Nichten. Oder wenn Leute bei uns am Haus vorbeigehen, spritzen wir sie nass“, erzählt der Store Officer. Auch in den nächsten zwei Tagen widmet sich das Neujahrsfest dem Wasser – und dem Essen. Seksans Lieblingsessen an Songkran? Papaya-Salat. Eine scharfe Spezialität in seiner Heimat.
Constanza Toro in Chile: Ein leerer Koffer voller Träume

Es ist kurz vor Mitternacht, bei Constanza Toro zuhause in Santiago de Chile liegt alles bereit: ihr Ehering ist auf den Boden eines Sektglases gesunken, auf dem Tisch befinden sich mehrere einzelne Trauben und in einer Ecke stehen leere Koffer. Aber zuerst ein paar Stunden zurück: es ist früher Abend des 31. Dezember. In Santiago de Chile ist es Sommer. Constanza Toro, Marketingspezialistin für Mobilkrane bei Liebherr Chile SpA, steht mit ihrem Mann und ihrer fünfjährigen Tochter in der Küche. „Mein Mann bereitet den Schweinebraten vor, da dies eine Spezialität aus seiner Heimat in Peru ist. Ich kümmere mich um die Beilagen wie Reis, Apfelmus oder Caprese-Salat“, sagt Constanza Toro. Mit ihrem Mann spricht sie über das vergangene Jahr, was sie erreicht haben und was die Pläne für die nächsten 365 Tage sein sollen. „Für mich bedeutet Silvester einen Neustart“, erklärt die Marketingmanagerin. Das Gespräch führen sie auch beim Abendessen fort, bis die Vorbereitungen für den Mitternachtsschlag beginnen. Der Ring, die Trauben und der Koffer kommen ins Spiel. Schlägt die Uhr 12, stoßen Constanza und ihr Mann als Erstes mit den Sektgläsern mit den gesunkenen Eheringen an. Das bringt ewige Liebe und Glück. Danach verspeisen sie die zwölf Trauben, wobei jede für einen glücklichen Monat des neuen Jahrs steht. Schließlich folgt Constanzas Lieblingstradition des Abends, wie sie erklärt: „Wir gehen mit einem leeren Koffer raus, einmal um unser Haus herum. Damit wir viel reisen können“. Der nächste Urlaub soll die kleine Familie nach Kolumbien führen. Ihre Tochter lebt die Tradition bereits mit, was Constanza mit Stolz erfüllt: „Ich habe dieses Ritual von meiner Mutter gelernt, als ich klein war. Darum möchte ich es unbedingt meiner Tochter weitergeben“.
Chris Jamieson in Australien: Schokoladeneis am Strand

Es ist der 31. Dezember, der letzte Tag des Jahres nach gregorianischem Kalender. Chris Jamieson ist mit seiner Frau und seinen fast zwei und vier Jahre alten Söhnen auf dem Weg nach Semaphore Beach in Nordwesten Adelaides (Australien). Der Strand liegt in der Nähe ihres Zuhauses und auch nicht weit weg von Liebherr-Australia Pty. Ltd., wo Chris Jamieson arbeitet. Er überprüft dort zu diversen Produktionszeitpunkten die Schaufeln von Mining-Baggern. Der Semaphore Beach hat sich als übliches Ziel der kleinen Familie für den Neujahrsabend etabliert. Früher gingen Chris Jamieson und seine Frau oft zu seiner Cousine, um in ihrem Häuschen außerhalb von Adelaide zu feiern. „Dort haben meine Frau und ich uns sogar auf einer anderen Party kennengelernt“, erzählt er. „Für den Neujahrsabend sind wir immer dorthin zurückgekehrt. Die Feiern hatten immer ein Motto. Einmal war es Baywatch, ein anderes Mal Superhelden“. Das Häuschen ist mittlerweile von Regenfluten zerstört. Ein Grund, wieso die Familie heutzutage den Semaphore Beach in Adelaide für den Jahreswechsel besucht. Und weil es für die Kinder und natürlich auch Erwachsenen viel zu erleben gibt: ein Riesenrad, große und kleine Achterbahnen und Essensstände. „Neben Fish und Chips ist Eis ein Muss. Meine Kinder und ich nehmen meist Schokolade, meine Frau mag Caramel“, erzählt Chris Jamieson. Bereits um 21 Uhr startet das erste Feuerwerk. Das lässt nicht nur die Kinderaugen strahlen. Danach kämpft sich die Familie den Weg durch die vielen Besucherinnen und Besucher zurück zum Auto und nach Hause. In die nächsten 365 Tage startet Chris Jamieson dann ruhig, wie er sagt: „Die Kinder schlafen bereits auf der Rückfahrt ein. Zuhause stoße ich dann um Mitternacht noch mit meiner Frau an. Und es gibt natürlich einen Neujahrskuss. Danach gehen wir auch schlafen, denn um 6 Uhr wecken uns die Kinder“. Im Gegensatz zu anderen muss die Familie aber nicht lange auf den nächsten Jahreswechsel warten. Da Chris Jamiesons Frau Wurzeln in Hongkong hat, feiert die Familie auch das chinesische Neujahr.
Javier Garayoa in Spanien: Glück schenken
Schlendert man am Abend des 31. Dezembers durch die Straßen von Pamplona (Spanien), ist Feierlaune zu spüren. Menschen sind verkleidet, trinken aus Bier- oder Cava-Flaschen, tanzen und freuen sich auf den Jahreswechsel nach dem weltweit verbreiteten gregorianischen Kalender. Auch Javier Garayoa war früher in den Menschenmassen zu finden. Das ist nun schon mehr als 30 Jahre her. „Nur die jungen Leute gehen heute noch in die Innenstadt, um zu feiern“, erklärt er. Er genießt lieber die Ruhe zuhause mit Familie und Freunden. Jeder steuert etwas zum Abendessen bei und gemeinsam schauen sie sich die Neujahrsshows im Fernsehen an.
Zu Mitternacht kommt nochmals Fahrt auf. Bei jedem der zwölf Glockenschläge der Uhr muss eine Traube gegessen werden. Das soll Glück bringen. Dass es Javier an Silvester eher ruhig und gelassen nimmt, erstaunt nicht. Der Produktionstechniker setzt für die Liebherr Industrias Metálicas, S.A., Spezialprojekte um und ist dafür auch oft unterwegs. Um Neujahr erlebt er eine besonders stressige Zeit, was jedoch nicht an seiner Arbeit liegt. Javier singt in diversen Chören, die ab Ende November bis Anfang Januar mehrere Konzerte aufführen. Zusätzlich agiert er jeweils am Sonntag vor Heiligabend als Helfer des Weihnachtsmanns. Gemeinsam mit mehreren Hundert anderen Personen sammelt er auf seiner alten Vespa im Weihnachtsmann-Kostüm Geschenke ein. Diese bringt er dann ins örtliche Kinderkrankenhaus. Ein Highlight für die Kleinen, die dort Weihnachten und Neujahr verbringen müssen. Mehr als 700 Geschenke kommen zusammen, so dass sie auch noch für die Geburtstage der Kinder reichen. Ein Herzensprojekt für Javier Garayoa. Und ein Beweis dafür, dass es die schönste Tradition sein kann, Glück zu schenken.

Nadia Thalib in Indonesien: Ein Feuerwerk für die Seele
„Ein neues Jahr bedeutet für mich Zeit zur Selbstreflektion, vergangene Taten zu bewerten, was wir Muhasabah nennen, und es mit einer guten Tat und innerem Frieden zu beginnen“, fasst Nadia Thalib ihren persönlichen Jahreswechsel zusammen. Die Finance und Account Managerin leitet bei PT. Liebherr Indonesia Perkasa neun Mitarbeitende. Seit 2015 ist sie bei der Firmengruppe angestellt und hat vor einiger Zeit den Schritt aus Balikpapan auf Borneo in die Metropole Jakarta gewagt. Als Muslimin feiert Nadia Thalib nach dem Hijri-Kalender. Das 354 oder 355 Tage andauernde Jahr beginnt dabei mit dem ersten Muharra. Nach gregorianischem Kalender verschiebt sich das Datum jedes Jahr, da der Hijri ein Mondkalender ist. „Am Vorabend des ersten Muharra besuchen wir religiöse Treffen wie Lesungen, beten zusammen in der Moschee“, erklärt Nadia Thalib. „Wenn ich in der Zeit in Jakarta bin, verbringe ich den Abend allein zuhause“, sagt sie weiter.
Hijri
Das Hijri-Neujahr beruht auf dem gleichnamigen Kalender, einem Mondkalender mit zwölf Mondmonaten und insgesamt 354 oder 355 Tagen. Die Auswanderung von Mecca nach Medina des Gründers des Islams Muhammad gilt als Ursprung des Hijri. Ein neuer Monat startet jeweils, sobald nach dem Leermond das erste Mal die Mondsichel erkannt werden kann. So dann auch am ersten Tag des ersten Monats Muharra. Im gregorianischen Kalender bedeutet dies, dass das Hijri-Neujahr immer an wechselnden Daten stattfindet. Musliminnen und Muslime auf der ganzen Welt feiern den Tag. Er gilt in einigen Ländern in Nordafrika und Nahost sowie auch in Indonesien und auf den Philippinen als Nationalfeiertag.
Doch nächstes Hijri-Neujahr möchte sie wieder mit ihrer Familie in Balikpapan verbringen. Dort besuchen sie gemeinsam die Moschee und essen zusammen ein Schmorgericht mit Kokosmilch, serviert mit Reis. Zum Dessert gibt es Biskuitkuchen. Bräuche wie Feuerwerk um Mitternacht sind beim Hijri-Neujahr nicht relevant. Sich reflektieren und eine bessere Person zu werden stehen im Mittelpunkt, ein wahres Feuerwerk für die Seele. Allgemein wird jede religiöse Feier im Islam von Aktivitäten des Teilens begleitet, sei es in Form von Geld oder Essen. Dieser Akt des Gebens gilt für alle, ohne Rücksicht auf Ethnie oder Religion, und spiegelt die universellen Werte des Mitgefühls, der Großzügigkeit und der sozialen Harmonie im Islam wider. So ist es auch nicht überraschend, dass die meisten Musliminnen und Muslimen am ersten Muharra eine gute Tat vollbringen. Wie auch Nadia Thalib: In einem Waisenhaus verteilt sie Essen. Das lässt sie das neue Jahr mit ihrem persönlichen inneren Frieden starten.
Weitere Neujahrsfeste
Wer feiert noch und wann, wieso?
In einzelnen Ländern, Religionen oder Kulturen gibt es weitere Neujahrsfeste und -bräuche. So bedeutet das hinduistische Lichterfest Diwali für einige Regionen den Start des neuen Jahres. In Vietnam wird nach ihrem eigenen Mondkalender Tết Nguyên Đán gefeiert. Nach persischem Kalender startet man an der Frühjahrs-Tagundnachtgleiche, also am 20. oder 21. März, ins neue Jahr. Jüdinnen und Juden zelebrieren Rosh Hashanah, der erste Tag des siebten Monats und nicht des ersten nach jüdischem Kalender. Und so gibt es unzählige weitere Feste, Bräuche und Traditionen, die die Vielfalt der Weltbevölkerung widerspiegeln.


