
Baugeschichte(n): Durch Eis, Enge und Extreme
Stürmischer Wind, eisige Kälte, enge Wege: Auf vielen Baustellen dieser Welt herrschen extreme Voraussetzungen. Trotzdem müssen Projekte effizient und präzise umgesetzt werden. Hier zeigt sich, was echte Partnerschaft bedeutet. Liebherr ist dabei mehr als Lieferant und steht den Kunden als Berater und Lösungsanbieter zur Seite. Wie gelingt es, große Infrastruktur-Projekte unter Bedingungen zu realisieren, wo andere längst anhalten müssten? Das zeigen sechs außergewöhnliche Baugeschichten aus der Liebherr-Welt.
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Ilulissat-Flughafen, Grönland: Der Kälte trotzen


Der Liebherr-Seilbagger HS 8200 trotzte erfolgreich der eisigen Kälte und übernahm grundlegende Arbeiten für den neuen Flughafen in Ilulissat (Grönland).
Bei 8° C denkt man kaum an Sommer. An der Westküste Grönlands ist das jedoch die sommerliche Durchschnittstemperatur, im Winter zeigt das Thermometer sogar bis zu –35° C an. Für Bauprojekte in dieser Region sind die Temperaturen nicht die einzige Herausforderung, auch die Logistik ist komplex. Die Küstenstadt Ilulissat stand für ihr Flughafenprojekt genau vor diesen Problemen: Nur einmal pro Woche bringt ein Schiff Ersatzteile und Ausrüstung. Zudem mussten die Bauarbeiten für die neue, teils im Meer liegende Start- und Landebahn, abgeschlossen sein, bevor sich das Eis in den Buchten ausbreitet. Der Liebherr-Seilbagger HS 8200 entfernte dafür zunächst eine dicke Schicht aus Tonsedimenten und hob täglich fast 1.000 m3 Material aus. Danach wurde er mit einem Steingreifer ausgerüstet, um entlang der künftigen Starte- und Landebahn die notwendigen Steine für den Küstenschutz zu platzieren. Damit der Einsatz auch bei extremen Minusgraden zuverlässig funktionierte, war die Maschine mit einem Kältepaket ausgestattet – so bleibt sie selbst bei eisigen Temperateuren problemlos einsatzfähig.
02
Fehmarnbelt-Tunnel, Dänemark: Gegen den Wind


Auf der dänischen Seite des Fehmarnbelt-Tunnels unterstützten zahlreiche Liebherr-Turmdrehkrane den Bau des Eingangs in den Absenktunnel.
Copyright beide Bilder: Femern A/S
Der Fehmarnbelt-Tunnel, mit 18 km der längste Absenktunnel der Welt, wird Dänemark und Deutschland zukünftig mit einer Eisenbahn- und Autostrecke verbinden. Wie wird ein solch gigantisches Infrastruktur-Projekt umgesetzt? Dank zahlreicher involvierter Parteien, die passgenau zusammenarbeiten. Liebherr lieferte mehrere Turmdrehkrane, um unter anderem die Produktion und den Transport der 79 Standard-Tunnelelemente auf der dänischen Seite der Baustelle zu unterstützen. Jedes dieser Elemente wiegt rund 73.000 t und ist 217 m lang. Damit die Krane die Elemente entlang der riesigen Produktions- und Montagefläche ohne zeitintensiven Umbau bewegen können, sind viele Krane auf Schienen montiert. Das ermöglicht höchste Flexibilität. Doch nicht nur die Größe des Projekts ist außergewöhnlich, sondern auch die Witterung vor Ort. Denn die Ostsee bringt starke Winde mit sich. Die Liebherr-Krane sind dafür entsprechend ausgerüstet: Hochauflösende Sensoren registrieren die durch Wind ausgelöste Bewegungen und steuern diesen entgegen. Dadurch werden Präzision und Sicherheit auf der Baustelle gewährleistet.
03
Yusufeli-Damm, Türkei: Passgenaue Lösung finden


Von einer kniffligen Baustelle zum gigantischen Bauwerk: Der Yusufeli-Damm liefert für die umliegenden Haushalte in der Nordtürkei Strom.
39 enge und niedrige Tunnel mussten durchquert werden, um auf die Baustelle des Yusufeli-Damms im Norden der Türkei zu gelangen. Dort warteten steile Felswände, die am Fluss Coruh entlang hochragen, beengte Platzverhältnisse und unwegsames Gelände. Bis zu 5.000 Arbeiterinnen und Arbeiter, alle Maschinen und das gesamte Material mussten tagtäglich die Tunnel passieren. Dass die Liebherr-Maschinen, die am Bau des Damms beteiligt sind, auf LKWs transportierbar sind, half der Logistik vor Ort. Gemeinsam mit dem Kunden besprach Liebherr, welche Maschinen am geeignetsten für den Transport, aber auch für die anspruchsvolle Landschaft vor Ort waren. Sechs Turmdrehkrane, ein Mobilkran, zehn Raupenbagger R 954 und ein Hydroseilbagger HS 8200 wurden schließlich auf die Baustelle manövriert. Das Endergebnis: ein gigantischer Damm, der gemeinsam mit acht anderen, Strom für bis zu 650.000 Haushalte liefert.
04
Speicherteich am Stubai-Gletscher, Österreich: Über Stock und Stein


In rund 3.000 m Höhe arbeiteten neben anderen Liebherr-Baumaschinen mehrere knickgelenkte Liebherr Muldenkipper TA 230 daran, den neuen Speicherteich für die Beschneiungsanlage auf dem Stubaier Gletscher (Österreich) fertigzustellen.
Sechs knickgelenkte Muldenkipper TA 230 und weitere Liebherr-Maschinen waren an der Modernisierung einer Beschneiungsanlage auf dem Stubaier Gletscher (Österreich) beteiligt. Für den Bau des 308.000 m3 Speicherteichs, der das Wasser für die Beschneiung liefert, transportierten die Muldenkipper Aushubsmaterialien, Steine und Schotter. Eine klassische Aufgabe für die TA 230, aber auf fast 3.000 m.ü.M. und auf anspruchsvollstem Terrain eine enorme Leistung. Dank ihrer guten Steigfähigkeit und ihres großen Böschungswinkels eigneten sich die Muldenkipper TA 230 perfekt für das steile und unwegsame Gelände. Dabei unterstützt das Zusammenspiel aus ausgewogener Gewichtsverteilung, permanentem 6x6-Allradantrieb sowie massiver und gleichzeitig flexibler Achsaufhängung. Nicht nur die Maschinen überzeugten – auch die enge Zusammenarbeit zwischen der Liebherr Mietpartner GmbH und dem Kunden führte zur idealen Lösung vor Ort. Durch den Einsatz der Mietmaschinen konnte der Kunde genau die Kapazitäten nutzen, die das Projekt erforderte. So wurde der Bau des Speicherteichs kosteneffizient und termingerecht abgeschlossen.
05
Princess Elisabeth Energy Island, Belgien: Sich den Anforderungen anpassen


Die Umfassung der „Princess Elisabeth Energy Island“ besteht aus modularen Betonelementen im Meer, die zuvor an Land mithilfe von Liebherr-Turmdrehkranen gefertigt wurden.
Copyright Bild links: Elia
Die „Princess Elisabeth Energy Island” – eine künstliche Energie-Insel 45 km vor der belgischen Küste – ist ein weltweit einmaliges Projekt: auf einer Fläche von über sechs Hektaren bündelt sie die Energie der Windkrafträder in der Nordsee und verteilt diese anschließend an die umliegenden Länder weiter. Außerdem dient sie als Knotenpunkt für bereits vorhandene Energienetze. Die äußere Umfassung der Insel besteht aus modularen Betonelementen, die ins Meer gelassen wurden. Deren Bauteile entstanden vorab in Vlissingen (Niederlande). Um sie sicher und effizient zu fertigen, brauchte es entsprechende Krane: Die High-Top-Krane wie der 1000 EC-H 50 mit Traglasten bis zu 50 t haben dafür die notwendige Leistung geboten. Insgesamt waren sieben Liebherr-Krane im Einsatz – mit ihren Hakenhöhen und Ausladungen exakt auf die Anforderungen vor Ort abgestimmt.
06
Damm von Serra Azul, Brasilien: Gefahren minimieren


Bohrgeräte und ein Raupenkran waren maßgeblich am Bau einer Einschließungsstruktur beteiligt und sorgten so für mehr Sicherheit für Mensch und Natur rund um die Mine Serra Azul (Brasilien).
Brasilien, im Bundesstaat Minas Gerais: Die Mine Serra Azul fördert jedes Jahr über eine Million Tonnen Erzkonzentrat und Stückerz. Aus diesem Vorgehen entstanden Abfälle, die von so genannten Abraumdämmen eingeschlossen werden. Einen solchen gab es auch bei der Mine Serra Azul, er war aber schon seit längerer Zeit stillgelegt. Um nicht zu riskieren, dass der Damm während des Rückbaus bricht, wurde unterhalb davon eine Einschließungsstruktur mit 1.036 Stahlrohren errichtet. Die Rohre haben einen Durchmesser von 1,5 m, eine Wandstärke von 19 bzw. 25 mm, Längen von bis zu 77 m und ein Gewicht von 42 bzw. 52 t. Um diese in den Untergrund zu bringen, brauchte es spezielle Ausrüstung. Hier kam die Expertise von Liebherr ins Spiel: die Bohrgeräte LB 35 führten die Vorbohrungen durch und ein Raupenkran LR 1300 hob die Rohre an, richtete sie aus und brachte sie in den Boden ein. Aufgaben, die für alle Beteiligten in der Selbstrettungszone des Damms stattfanden.


