Die Baustelle: Ein Familienunternehmen

Es ist ein kniffliger Moment. Jetzt muss alles auf den Millimeter genau passen. Mit einer kreisenden Handbewegung dirigiert der Bauleiter den Mobilkran. Langsam schwebt die Kabine herab, die Männer am Boden drehen sie in Position. Dann geht es schnell. Ein paar Handgriffe und die Kabine ist an der Drehbühne angeflanscht. Der junge Monteur holt noch die Präsentationstafel aus dem Inneren: „1000 EC-H 50 Litronic“ steht darauf. „Es ist besser, dass die Tafel hier unten bleibt“, sagt er. „Wenn der Kran steht, wird das oben in 45 Metern wohl kaum jemand lesen.“

Der „Dirigent“ und der junge Monteur sind augenscheinlich bestens aufeinander eingespielt. Kein Wunder. Es sind Vater und Sohn: Werner Haas, 48, und Julian Haas, 21, beide Service-Monteure der Liebherr-Werk Biberach GmbH. Werner Haas ist seit 1991 im Unternehmen und leitet seit 1998 den Aufbau eines der größten Messestände der Welt. Sohn Julian begann 2014 bei Liebherr mit einer Ausbildung zum Mechatroniker und gehört jetzt der vom Vater geführten Aufbaumannschaft an.

Zupacken können beide gleichermaßen. Der eine draußen an den Maschinen und Kranbauteilen, der andere mehr von seinem „Dirigentenpult“ aus. Dabei handelt es sich um den Besprechungstisch in dem kleinen Baucontainer, von wo aus Werner Haas bereits seit Anfang November die unterschiedlichen Gewerke orchestriert: Messebauer, Gas-Wasser- und Elektroinstallateure, Garten- und Landschaftsbauer, Mediengestalter und natürlich die Monteure der mehr als 60 Maschinen-Exponate von Liebherr.

Nur gemeinsam können wir gewinnen, im Zusammenspiel von Alt und Jung, von Erfahrung und Innovationsgeist.

Werner Haas, Service-Monteur

„Rund 60 Kollegen von Liebherr und ca. 80 Mitarbeiter des Messebau-Unternehmens müssen für unseren Messeauftritt der Superlative koordiniert werden“, berichtet Haas. „Ich bin die Schnittstelle. Das Mädle für alles.“ Er selbst sei „nur so gut wie das Team – nur gemeinsam können wir gewinnen, im Zusammenspiel von Alt und Jung, von Erfahrung und Innovationsgeist“.

Bei der Verbindung der Erfahrung eines „alten Hasen“ mit jugendlicher Neugier und Tatendrang geht Werner Haas bei seinem zehnten Bauma-Messeaufbau mit gutem Beispiel voran. Sein ältester Sohn Julian wurde in das Team integriert. „Er konnte gar nicht anders“, meint der Vater mit einem schelmischen Schmunzeln. Er hätte seinen Kindern früher von der Messe immer Modelle mitgebracht. Damit hätten diese mit großer Begeisterung gespielt, allen voran der Älteste. „Ich habe die Faszination für Krane, Baumaschinen und die Bauma von klein auf mitbekommen“, bestätigt Julian. Der Schritt zur Ausbildung als Mechatroniker im Liebherr-Werk Biberach sei deswegen 2014 „geradezu zwangsläufig“ gewesen.

Inzwischen ist der Hobbyhandballer selbst Service-Monteur bei Liebherr und kümmert sich vorrangig um Turmdrehkrane – vom Aufbau über Schulungen und Einweisungen bis hin zu Reparaturen und Wartungsarbeiten. „Ein Kran ist in jeder Beziehung ein Highlight“, schwärmt er. „Vor allem die Statik von so viel Stahl.“ Wenn er Zeit habe, beuge er sich deswegen gerne einmal auch über statische Berechnungen, um den Gesetzen der Physik tiefer auf den Grund zu gehen. „Neugier und Wissensdurst können nie schaden“, ist sich der Vater sicher.

Ich habe die Faszination für Krane, Baumaschinen und die Bauma von klein auf mitbekommen.

Julian Haas, Service-Monteur

Vater und Sohn haben für Liebherr schon in Paris auf der Messe zusammengearbeitet. „Da konnten wir uns bereits für München aufeinander einschwingen und bestimmte Abläufe miteinander erleben“, berichtet Werner Haas. Extra-Aufmerksamkeit des Aufbauleiters für den Sohn oder gar eine Bevorzugung gegenüber anderen komme für beide nicht in Frage. „Ich finde es großartig, bei diesem ganz und gar nicht alltäglichen Projekt dabei sein zu können und richtig anzupacken“, betont Julian. „Das ist eine besondere Aufgabe, bei der ich jeden Tag viel lernen kann.“

Und mit dem Messeaufbau ist es für das Liebherr-Team auch noch lange nicht getan. „Während der Bauma sind wir als Vorführer und beim Service im Dauereinsatz“, freut sich Julian Haas. „Und wenn dann die Messetore schließen und alle zufrieden nach Hause gehen, greifen wir noch mal richtig an“, fügt Werner Haas vergnügt hinzu. Was in einem halben Jahr aufgebaut worden sei, müsse in fünf Wochen wieder restlos abgebaut und demontiert sein. „Da drehen alle Teams dann zusammen noch einmal ein richtig großes Rad.“

„Wir werden oft gefragt, wie Vater und Sohn überhaupt zusammenarbeiten können. Ob es da nicht ständig innerfamiliären Ärger und Stress gibt“, berichtet Werner Haas. „Na klar, es gibt auch mal Meinungsverschiedenheiten. Das ist doch ganz normal. Aber insgesamt verstehen wir uns bei der Arbeit genauso gut wie zuhause“, stellt Julian fest. So gut, dass es am Wochenende zuhause schon mal einen Rüffel von der Ehefrau und Mutter gibt. „Wenn wir uns bei Tisch über die Arbeit unterhalten, kommt schon mal der Einwurf von meiner Frau, dass es doch auch noch was anderes als die Bauma gebe“, berichtet Werner Haas. „Da hat sie sicherlich recht. Aber die Messe ist nun mal ein ganz besonderes Highlight, das nur alle drei Jahre ansteht. Da darf sich dann auch mal alles darum drehen. Na gut, fast alles.“

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