Alles andere als Routine

Poortugaal ist kein Schreibfehler. Es liegt ja auch nicht auf der iberischen Halbinsel, sondern ist ein Ort in den Niederlanden, etwa 15 Kilometer südlich von Rotterdam. Jetzt im „echten“ Portugal zu sein, könnte Roel Reinders und Arno Heger allerdings wohl gefallen. Denn dieser Januarmorgen ist nicht nur ungemütlich kalt, sondern auch noch stürmisch. Die Monteure aus dem vierköpfigen Team des niederländischen Kranspezialisten Van der Spek sollen heute auf einer Klinikbaustelle einen Kran aufbauen. Und zwar nicht irgendeinen Kran, sondern eine Weltpremiere: den 340 EC-B aus der neuen Flat-Top-Baureihe von Liebherr.

„Das ist mal wieder richtig cool, kein Routine-Job, da muss man noch genauer hinsehen als sonst und jeden Handgriff checken“, freut sich Reinders. Da scheinen ihm und seiner Mannschaft selbst Schlamm, Regen und eiskalter Wind nichts auszumachen. Die Truppe strahlt an diesem Morgen um die Wette. Es war noch dunkel, als um 7:30 Uhr die Tieflader mit den Kranbauteilen und der Mobilkran angerückt kamen. „Schon auf dem LKW war die erste Besonderheit nicht zu übersehen“, sagt Arno Heger. „Statt üblicherweise zwei finden drei Auslegerteile Platz auf einer LKW Ladefläche.“ Beim EC-B hat Liebherr viele Details am Kranoberteil transport- und montageoptimiert gestaltet. So wurden der EC-B-Kompaktkopf, der Ausleger sowie die Laufkatze noch einmal leichter als ihre Vorgänger konstruiert. Und weil der Ausleger schmaler ist, passen eben auch drei Auslegerteile auf einen LKW. Auf diese Weise wird so schon beim kürzesten Ausleger ein kompletter Transport-LWK weniger benötigt als bei älteren Modellen. Bei voller Ausladung sind sogar mindestens zwei LKWs weniger erforderlich. Das weiß man beim Kranunternehmen Van der Spek zu schätzen. Schließlich spart dies Zeit und Geld beim Kranaufbau.

Und noch ein Detail macht die Monteure neugierig: Zu den neuen Kranen gehören auch optimierte Schnellverbindungen für Ausleger und Gegenausleger. Sie machen die Montage noch einfacher und vor allem sicherer. Trotzdem muss bei der Montage von Turmdrehkranen immer auch das Wetter mitspielen – zu viel Wind verträgt das beste System nicht. Als der Mobilkran die Auslegerteile vom Tieflader hebt, geraten diese zwischenzeitlich kräftig ins Wanken. „Aus einer schnellen Endmontage wird heute wohl nichts“, mutmaßt Roel Reinders. Da bleibt dann mehr Zeit, sich eingehender mit dem neuen Kran zu beschäftigen.

Die EC-B-Baureihe reicht vom kleinen Citykran bis zum großen Umschlagmeister. Die maximalen Traglasten reichen dabei von sechs Tonnen bis hin zu 16 Tonnen und die maximalen Spitzentraglasten von 1,6 Tonnen bis hin zu 2,8 Tonnen – bei maximaler Ausladung. Die größten Vertreter der neuen Baureihe – der 340 EC-B und der 370 EC-B Fibre – haben eine Reichweite von bis zu 78 Metern. Auf der Baustelle in Poortugaal hat der Wind im Laufe des Vormittags nachgelassen. Aber reicht dies, um sicher die Ausleger zu montieren? Zuvor hatten die Monteure schon routiniert in Windeseile das Fundament und den Turm errichtet. Auch die Drehbühne ist bereits an ihrem Platz. „Seit dem 18. Lebensjahr montiere ich schon Krane. Heute bin ich 36 und immer wieder begeistert von den Liebherr-Neuerungen. Es ist faszinierend, wie leicht der EC-B mit den neuen Steckverbindungen aufzubauen ist“, erzählt Roel Reinders Kranfahrer Niels Molendijk. „Du kannst dich freuen“, ruft Reinders ihm nach, als dieser zu seinem neuen Arbeitsplatz aufsteigt.

Oben wird Molendijk von einer großen, warmen und lichtdurchfluteten Kabine empfangen. „Wow, so was habe ich noch nicht erlebt“, entfährt es dem 34-Jährigen. Mehr Platz, mehr Sichtfläche, mehr Komfort: Das sind schon auf den ersten Blick echte Highlights in der LiCAB im neuen Obendreher. Mit über zwei Quadratmetern bietet die Kabine so viel Platz wie keine EC-B-Kabine zuvor. Von seinem Sitz aus hat Niels Molendijk dank einer großen Fensterfläche ein weites Sichtfeld. Er hat so die ganze Baustelle unter sich, aber auch den nahen Flussarm der Maas und die Weite der südholländischen Nordseeküste perfekt im Blick.

Auf Anhieb gefällt dem Kranfahrer, dass er neben den ergonomisch angebrachten Bedienelementen eine Vielzahl an Stell- und Ablageflächen vorfindet. Es gibt sogar mehrere 230-V-Steckdosen. „Luxus!“, schwärmt Molendijk. „Da kann ich mir einen Kaffee kochen und die Funkgeräte aufladen.“ Selbst an USB-Schnittstellen für die Stromversorgung des Smartphones wurde gedacht, genauso wie an eine Bluetooth-Freisprechanlage fürs Telefonieren oder Abspielen der Musik-Playlist vom Handy. „Wahnsinn“, schwärmt der Kranfahrer. „Das ist eine Kabine, die Spaß macht. Ich bin total begeistert.“

Unten werfen die Monteure einen bangen Blick zum Himmel. Zwar hat der Wind nachgelassen, aber rasch vorbeiziehende Wolken signalisieren, dass Petrus das Gebrause wohl noch nicht abgestellt hat. „Ein Versuch ist’s wert“, sagt Reinders. Der Mobilkran hebt den Gegenausleger. Die Monteure bekommen oben die Verbindung schnell geschlossen. Klappt die Endmontage heute doch noch? Doch frischt der Wind schon wieder auf und lässt die letzten Strebenelemente am Mobilkranhaken bedenklich wanken. „Abbruch!“, ruft Reinders ins Funkgerät. „Die Ausleger sind nur ganz oder gar nicht zu montieren“. Die bereits montierten Elemente kommen wieder runter. „Der Wetterbericht für morgen ist gut. Dann vollenden wir unser Werk – ohne Wind und ohne Regen“, sagt er. Die Baustellen-Weltpremiere des ersten 340 EC-B verschiebt sich um einen Tag. Für Reinders und seine Kollegen ist der Fall klar: „Wir arbeiten draußen. Sicherheit geht da immer vor.“ In Poortugaal und wo auch immer auf der Welt.

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