08.05.2018 Geschichtsträchtige Titelkämpfe dank historischer koreanischer Fusion

Silbermedaille bei der Tischtennis-WM 2018 in Schweden für das deutsche Herren-Team

Silbermedaille bei der Tischtennis-WM 2018 in Schweden für das deutsche Herren-Team

Ein historisches Ereignis hat der Liebherr Tischtennis-WM 2018 in Halmstad nicht nur einen Eintrag in den Geschichtsbüchern des Sports gesichert: Die denkwürdige Entscheidung der Damen-Mannschaften aus Süd- und Nordkorea zum Zusammenschluss noch vor ihrem ursprünglich geplanten Viertelfinal-Duell als Zeichen der Verständigung zwischen beiden Ländern sorgte rund um den Globus für Aufsehen weit über den Sport hinaus.

Die Genehmigung zur „Fusion“ durch den Weltverband ITTF war angesichts der geschichtsträchtigen Annäherung die einzig denkbare Entscheidung. „Das ist größer als die Regeln“, kommentierte ITTF-Präsident Thomas Weikert die Zulassung des kampflosen Einzugs des „Vereinten Team Korea“ ins Halbfinale der Titelkämpfe in Schweden. Die Bronzemedaille der Koreanerinnen überstrahlte sogar die erneuten Titelgewinne für China in beiden Mannschafts-Wettbewerben. Das Reich der Mitte ist nach wie vor eine Klasse für sich.

Das mussten auch die so ambitioniert angereisten Herren-Europameister aus Deutschland und die beiden österreichischen Nationalmannschaften, die Liebherr ebenfalls als Team-Sponsor unterstützt, neidlos anerkennen. Im Finale hatten die deutschen Herren nicht zuletzt aufgrund einer unglücklichen Anhäufung von Verletzungsproblemen bei ihren Spitzenspielern Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska mit 0:3 keine wirkliche Chance gegen die Chinesen. Gleiches galt gleich doppelt für ihre Kollegen aus Österreich: sowohl die Herren als auch die Damen schieden im Viertelfinale ohne Spielgewinn aus.

Zuvor jedoch hatten die von Liebherr unterstützten Teams ihre Zugehörigkeit zur Weltspitze unterstrichen. Kann der Einzug von Boll und Co. ins Finale durch Endrunden-Erfolge gegen Brasilien (3:1) und in einem packenden Krimi gegen Südkorea (3:2) fast schon als standesgemäß bezeichnet werden, sorgten die österreichischen Mannschaften für Furore: Stefan Fegerl und seine Mitspieler düpierten nach Medaillenanwärter Frankreich in der Vorrunde im Achtelfinale auch den früheren Europameister Portugal. Ihre weiblichen Kolleginnen verdienten sich das Duell um eine Medaille gegen China durch ihren 3:2-Erfolg gegen die deutschen Damen.

Die WM-Bilanzen im deutschen und österreichischen Lager fielen denn auch überaus positiv aus. „Die Silbermedaille glänzt wie Gold“, fasste Deutschlands Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf den Erfolg seines Teams zusammen und lobte besonders den Zusammenhalt in kritischen Situationen aufgrund der Verletzungsprobleme: „Diese Mannschaft hat Großes geleistet.“ Sportdirektor Richard Prause hatte bereits zuvor die Achtelfinal-Teilnahme der deutschen Damen als Erfolg und Mutmacher für die Zukunft gewertet.

Österreichs Verbandspräsident Hans Friedinger haderte unterdessen in keinster Weise mit den Viertelfinalniederlagen seiner Mannschaften „gegen übermächtige Gegner“. Vielmehr lobte Friedinger die „Extraklasse“ der Herren und die „Topleistungen“ der Damen: „Mit beiden Teams haben wir Platz fünf erreicht und damit das angestrebte Minimalziel Achtelfinale übertroffen. Dazu kann man nur gratulieren.“