Wir müssen unsere jungen Fachkräfte zusätzlich darauf vorbereiten, dass sie in der Zukunft in internationalen, interdisziplinären Teams kommunizieren, planen und zusammenarbeiten können.

Walter Ferstl, Ausbildungsleiter, Liebherr-Verzahntechnik GmbH

Wachsende Qualitätsansprüche bei den Kunden, Globalisierung und Industrie 4.0 – drei große Themen der heutigen Arbeitswelt. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, hat die Liebherr-Verzahntechnik GmbH mit einer Weiterentwicklung der Ausbildung zum Industriemechaniker und zur Industriemechanikerin neue Maßstäbe gesetzt und demonstriert mit richtungsweisenden Konzepten, wie es Unternehmen gelingen kann, rechtzeitig auf diese Anforderungen zu reagieren. „Die zunehmende Vermischung von Elektronik und Mechanik sowie die fortschreitende Digitalisierung sind die großen technischen Herausforderungen, auf die wir uns einstellen“, erklärt Walter Ferstl, Ausbildungsleiter bei der Liebherr-Verzahntechnik GmbH. „Wir müssen unsere jungen Fachkräfte zusätzlich darauf vorbereiten, dass sie in der Zukunft in internationalen, interdisziplinären Teams kommunizieren, planen und zusammenarbeiten können.“

Anspruchsvolle Hightech-Produkte wie Automationsanlagen und eine Export-Rate der Liebherr-Verzahntechnik GmbH von ca. 75 Prozent machen Ferndiagnosen und internationale Teams direkt vor Ort unumgänglich. Das Berufsbild von Industriemechanikern umfasst damit ein breites und komplexes Aufgabenfeld mit weltweiten Montageeinsätzen, die den Arbeitsalltag vielfältig und spannend, aber auch herausfordernd gestalten. Insbesondere dann, wenn elektrische Arbeiten wie der Austausch von defekten Motoren, Sensoren oder Aktoren durchgeführt werden müssen. Solche Tätigkeiten waren bisher – insbesondere aufgrund rechtlicher Sicherheitsaspekte – ausschließlich Elektronikern vorbehalten.

Auszubildende lernen am neuen Elektro-Hydraulik-Schulungssystem
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Theorie- und praxisübergreifende Weiterentwicklungen

Damit künftig auch Industriemechaniker und -mechanikerinnen die fachlichen und sicherheitsrelevanten Kompetenzen besitzen, etwa einen Motor wieder anzuschließen und in Betrieb zu nehmen, wurden bei der Liebherr-Verzahntechnik GmbH bereits die ersten Maßnahmen eingeleitet, um die Ausbildung weiterzuentwickeln. „Wir arbeiten im Moment daran, zusätzlich gewisse Kern- und Fachqualifikationen in unsere Ausbildung zu integrieren“, berichtet Ferstl. Dazu richten sich die Ausbildungsinhalte nicht nur an der aktuellsten Technik des Betriebes aus, sondern beinhalten auch die Integration völlig neuer Module, beispielsweise aus der Hydraulikausbildung. „Die ersten Erfahrungen, auf die wir im Moment unser Konzept aufbauen, konnten wir bereits bei der Umwandlung eines Umsetzers aus dem Bereich der Automationsanlagen zum Ausbildungsmodul für unsere Industriemechaniker sammeln.“ Ziel ist es jedoch nicht nur, den Industriemechanikern während ihrer Ausbildung so viel Elektronik-Know-how mit an die Hand zu geben wie nur möglich – auch umgekehrt wird diese Vorgehensweise verfolgt, um eine optimale Zusammenarbeit zu ermöglichen. „In der Ausbildung wird das Gefühl dafür entwickelt, dass es ein Wir, ein Uns gibt. Dass man gemeinsam Probleme löst oder entscheidet, wer der richtige Ansprechpartner ist – als eine Firma, ein Team“, betont der Ausbildungsleiter.

Ergänzend kommen hier deshalb zwei Zusatzqualifikationen ins Spiel, die von der IHK seit Sommer 2018 angeboten werden. Die Liebherr-Verzahntechnik GmbH hat diese Möglichkeit der Weiterbildung sofort genutzt und damit eine überregionale Vorreiterrolle eingenommen. Im Juli 2019 fanden die ersten Prüfungen für die Zusatzqualifikation „Elektrofachkraft für festgelegte Tätigkeiten“ statt, die auch künftig für alle Industriemechaniker ein festes Element ihrer Ausbildung und durch eine hausinterne Prüfung abgeschlossen wird. Allen Azubis die besonderen Gefallen an der Elektrotechnik finden, steht optional ein zweites Modul zur Verfügung, das den Ausbildungsberuf des Industriemechanikers erheblich aufwertet: Die Zusatzqualifikation „Elektrofachkraft Industrie“ kann im dritten Ausbildungsjahr erworben werden und endet mit einer offiziellen IHK-Abschlussprüfung.

Sehr beliebt: der Auslandseinsatz in Norwegen im Rahmen von Erasmus+
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Internationales Teamwork

Schon einige Wochen vor den Prüfungen zeigten sich die angehenden Industriemechaniker hochmotiviert. Dieses besondere Engagement dürfte nicht zuletzt an dem vierwöchigen Auslandseinsatz liegen, den die Azubis erst kurz zuvor absolviert hatten und als Bereicherung für ihre sozialen und fachlichen Kompetenzen empfanden. Im Rahmen eines Erasmus+ Programmes als Bestandteil ihrer Ausbildung wechselten die 20 Azubis aus Kempten von ihrem Arbeitsplatz in Deutschland nach Norwegen und arbeiteten dort in jeweils einem von 20 Partnerbetrieben mit.

Umso engagierter zeigen sie sich bei der Aneignung der Inhalte.

Walter Ferstl, Ausbildungsleiter, Liebherr-Verzahntechnik GmbH

Angefangen mit reinen Montageeinsätzen, ist dieses Bildungsprogramm bei der Liebherr-Verzahntechnik GmbH bereits seit dem Jahr 2000 zu einem fest integrierten Ausbildungsmodul geworden – ca. 90 bis 95 Prozent der Azubis gehen für vier bis acht Wochen zu Partnerbetrieben ins Ausland. Dass dieses Modell Früchte trägt, hat sich auch in diesem Jahr wieder bestätigt: „Unseren Azubis wurde während ihres Auslandseinsatzes erst richtig bewusst, wie eng Mechanik und Elektronik miteinander vernetzt sind und wie groß die Notwendigkeit fachlicher Zusatzqualifikationen mittlerweile ist. Umso engagierter zeigen sie sich bei der Aneignung der Inhalte“, freut sich Walter Ferstl.

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