07.10.2020 Liebherr Mining und VA Erzberg: eine innovative Partnerschaft

  • Entwicklungsvertrag unterschrieben auf der Bauma 2019
  • Erster Spatenstich in der VA Erzberg Eisenerz-Mine am 29. September 2020
  • Neue 5 km Oberleitungsstrecke für eine Flotte mit sechs T 236 SLKW, Investition über 20 Millionen Euro
  • VA Erzberg spart zukünftig 3 Millionen Liter pro Jahr (entspricht einer Gesamteinsparung von 66% für den Betrieb)

Auf der Bauma 2019 haben VA Erzberg und Liebherr einen Entwicklungsvertrag für ein Oberleitungs-Assistenzsystem für den dieselelektrischen Schwer-Lkw T 236 (100 Tonnen-Nutzlastklasse) abgeschlossen. Seither wird der dieselelektrische SLKW in der Eisenerz-Mine in Österreich getestet. Der SLKW wurde für den Betrieb mit einer Oberleitung modifiziert, die über einen Stromabnehmer mit Stangen auf einer 500 m langen Teststrecke verbunden ist. Der erste Spatenstich für die erweiterte 5 km lange Oberleitungsstrecke erfolgte am 29. September 2020.

Der T 236 angeschlossen an das Oberleitungssystem der VA Erzberg.

Der T 236 angeschlossen an das Oberleitungssystem der VA Erzberg.

Der T 236 angeschlossen an das Oberleitungssystem der VA Erzberg.

VA Erzberg erklärte: „Der Transport von jährlich mehr als 13 Millionen Tonnen Gestein erfordete bisher enorme Energiemengen von rund 4,5 Millionen Liter Diesel pro Jahr. Zukünftig werden es 3 Millionen Liter weniger Diesel sein, wenn die Nachfolger der derzeit eingesetzten mechanischen Diesel-Lkw am Erzberg in Betrieb gehen.“

Erfolgreiche Testphase

Seit der Vertragsunterzeichnung für das Oberleitungssystem auf der Bauma 2019 testet die VA Erzberg den umgebauten dieselelektrischen SLKW T 236 in der größten Sideritlagerstätte der Welt in Eisenerz/Österreich. Die Versuche wurden auf einer 500 m langen Teststrecke durchgeführt.

Und so funktioniert es: Der dieselelektrische SLKW ist mit einem Stangenstromabnehmer ausgestattet, der das Antriebssystem des Fahrzeugs mit den Oberleitungen auf den bergauf verlaufenden Transportabschnitten verbindet, damit der SLKW mit elektrischer Energie fährt. Diese innovative Technologie ermöglicht Strecken mit engen Kurven und sogar Kehrtwendungen sowie eine ausgeweitete Nutzung der Fahrbahnbreite seitlich der Oberleitung im Vergleich zu herkömmlichen Stromabnehmerlösungen. Dies ist z.B. bei schwierigen Fahrbahnverhältnissen aufgrund von widrigen Witterungsverhältnissen wichtig.

Josef Pappenreiter, Technischer Geschäftsführer der VA Erzberg, sagte: „Es gibt weltweit einige wenige Betriebe, welche eine Oberleitungs-Technologie ähnlich einer Lokomotive in der SLKW-Förderung einsetzen. Wir kamen jedoch sehr schnell zur Erkenntnis, dass diese vorhandene Technologie bei uns nicht einsetzbar ist. Unsere neu entwickelte Technologie unterscheidet sich sowohl vom Oberleitungssystem, nämlich einem Stangenstromabnehmer ähnlich einem O-Bus, als auch von der Fahrzeugtechnologie grundlegend zu der bisher am Markt verfügbaren Technik und war nur mit dem äußerst kooperativen und innovativen Partner Liebherr Mining in Colmar realisierbar.”

Der T 236 auf der Strecke mit engen Kurven.

Der T 236 auf der Strecke mit engen Kurven.

Der T 236 auf der Strecke mit engen Kurven.

Erweiterte Strecke mit neuen Herausforderungen

Die neue verlängerte Strecke für eine Flotte von sechs Liebherr T 236 wird eine Länge von 5 km haben, wobei der obere Abschnitt etwa 1055 m über dem Meeresspiegel liegen wird.

Die VA Erzberg wird beobachten, wie sich die Witterungsbedingungen während des Winters in den Eisenerzer Alpen auf die Oberleitungen auswirken. Peter Schimek, Projektleiter der Mine, fügte hinzu: „Eine weitere Herausforderung ist die Auslegung der gesamten Elektrotechnik, da bis zu sechs SLKW an mehreren Stellen des Oberleitungssystems angedockt sein können.“

Verantwortungsvoller Bergbau

Sind die Stromabnehmer der SLKW an das Oberleitungssystem angeschlossen, kann die volle Leistung der Elektro-Radmotoren des T 236 im Leerlauf des Dieselmotors in Steiggeschwindigkeit umgesetzt werden, wodurch Emissionen und Kraftstoffverbrauch reduziert werden. Langfristig erwartet die VA Erzberg eine Einsparung von rund 3 Millionen Litern Diesel und 4200 t CO₂ pro Jahr. Darüber hinaus wird auch der Ausstoß von Stickoxiden und Feinstaub reduziert.

Josef Pappenreiter kommentierte: „Mit dieser Technologie [...] erwarten wir eine nachhaltige energieoptimierte Produktion. Rund 13 Millionen Tonnen Gestein werden derzeit jährlich im Bergwerk transportiert. Entsprechend hoch ist der Kostenfaktor für die Erzgewinnung. Neben den positiven Umwelteffekten sichert eine Investition in diese neue Technologie auch die nachhaltige Gewinnung des wichtigen Rohstoffs Eisenerz für die heimische Stahlproduktion. Insgesamt werden rund 20 Millionen Euro in das Projekt investiert”.