Timo Boll - Mit vollem Ehrgeiz in die Heim-WM

Timo Boll will vor heimischem Publikum besonders überzeugen.

Timo Boll will vor heimischem Publikum besonders überzeugen.

Timo Boll, die Liebherr Tischtennis WM 2017 in Düsseldorf steht kurz bevor. Kribbelt es in Ihrer sportlichen Wahlheimat schon besonders?

Timo Boll: Man merkt das besonders große Interesse. Ich freue mich darauf, dass so viele bekannte Gesichter und Freunde wie bei keinem anderen Turnier zuvor auf der Tribüne dabei sein werden. Das schürt auch bei mir selbst eine besondere Erwartungshaltung, dass ich unter solchen Umständen natürlich besonders gut spielen möchte. Aber auch grundsätzlich ist mein Ehrgeiz nach diesen vielen Jahren und Erfolgen noch nicht gestillt. Ich glaube auch, dass ich noch ein gutes Turnier spielen kann.

Was bedeuten Ihnen diese Titelkämpfe in Deutschland, die voraussichtlich Ihre letzte Heim-WM sein werden?

Timo Boll: Dieses Jahr passt natürlich alles zusammen. Es ist klasse, noch einmal eine WM in Deutschland mitspielen zu können, und dann auch noch in Düsseldorf. Es wird sicher eine tolle Veranstaltung, alleine weil ja schon feststeht, dass viele Tage ausverkauft sein werden, da habe ich schon ganz andere Weltmeisterschaften mit großen Lücken auf den Tribünen erlebt. Das war zum Teil richtig katastrophal. Deswegen hoffe ich auch, dass diese WM in Deutschland noch einmal Maßstäbe setzen wird.

Liebherr tritt bei der WM in Düsseldorf beinahe schon traditionell als Titelsponsor auf. Welche Bedeutung hat ein solch langfristiges Engagement für den Tischtennis-Sport?

Timo Boll: In der heutigen Sportlandschaft ist es einfach schwierig geworden für kleinere Sportarten wie Tischtennis. Es gibt viel Konkurrenz und bei den Firmen eher geringere Etats für Sportsponsoring. Viele große Firmen fördern deswegen auch oft nur die großen Sprtarten wie Fußball und die Formel 1. Deshalb haben alle anderen Sportarten zu kämpfen. Deswegen sind wir natürlich froh, wenn ein paar größere Firmen sich bei uns engagieren und auch den Mut haben zu investieren und unsere Sportart zu fördern.

Der chinesische Olympiasieger Ma Long und das deutsche Tischtennis-Ass Timo Boll treten bei der WM gemeinsam im Doppel an und dürfen auf eine Medaille hoffen.

Der chinesische Olympiasieger Ma Long und das deutsche Tischtennis-Ass Timo Boll treten bei der WM gemeinsam im Doppel an und dürfen auf eine Medaille hoffen.

Zurück zur WM und zu Ihrem spektakulären Doppel mit Chinas Topspieler Ma Long. Im ersten Anlauf vor zwei Jahren hat es mit der erhofften WM-Medaille im Doppel nicht geklappt. Was rechnen Sie sich in diesem „Doppel der Legenden“, wie die ITTF Ihr Duo nennt, in Düsseldorf aus?

Timo Boll: Es gibt sicher wieder einige starke Doppel, gegen die auch wir es sehr schwer haben würden. Aber auch wenn wir wieder nicht so hoch gesetzt sein dürften, können wir weit kommen. 2015 hatten wir leider Lospech, dass wir schon in der zweiten Runde auf die späteren Weltmeister getroffen sind. Aber als Links-Rechts-Kombination harmonieren wir ganz gut, aber wir haben für das Doppel allgemein ein gutes Spiel, weil wir mit der Vorhand gut über dem Tisch sind. Es wäre natürlich schön, wenn es mit einer Medaille klappen würde. Ich war ja schon einmal 2005 mit Christian Süß im WM-Doppelfinale, das hatte sich super angefühlt, auch weil wir nicht unbedingt damit gerechnet hatten und obwohl ich vor dem Finale krank geworden war und 39 Grad Fieber bekommen hatte.

Im Vorfeld des Turniers heißt es oft, dass Tischtenns bei der WM nach Hause kommt. Was macht Düsseldorf zu solch einer Hochburg?

Timo Boll: Der Westen hat ja eine Menge Vereine auf einem vergleichsweise kleinen Raum. Außerdem ist mein Verein Borussia Düsseldorf seit gut 50 Jahren der führende Verein in Deutschland und hat dadurch auch eine große Strahlkraft, so dass jeder im Tischtennis und eigentlich ja auch darüber hinaus etwas mit Borussia Düsseldorf anfangen kann. Den Stellenwert des Tischtennis in Düsseldorf erkennt man ja auch daran, wieviel in der Stadt im Vorfeld der WM gemacht worden ist.

Erst nach den Olympischen Spielen 2020 in Tokio will Timo Boll den Schläger an den Nagel hängen.

Erst nach den Olympischen Spielen 2020 in Tokio will Timo Boll den Schläger an den Nagel hängen.

Lassen Sie uns zum Schluss noch etwas weiter über die WM hinaus blicken: Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach Ihrer aktiven Karriere?

Timo Boll: Ein paar Ideen wachsen momentan tatsächlich schon. Aber solange ich noch voll im Geschäft bin, gilt die ganze Konzentration der Karriere. Um mir später etwas auszusuchen, werde ich mir nach Ende meiner Laufbahn aber auch etwas Zeit nehmen, damit ich an der neuen Tätigkeit auch Spaß und Freude habe. Aber so weit ist es ja noch nicht.