Thomas Weikert: Chinesische Topspieler werden wie Popstars gefeiert

Thomas Weikert ist seit September 2014 Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF

Thomas Weikert ist seit September 2014 Präsident des Tischtennis-Weltverbandes ITTF

Thomas Weikert, die Liebherr Tischtennis-Weltmeisterschaft 2017 in Düsseldorf ist Ihre erste Heim-WM als Präsident des Weltverbandes ITTF. Wie groß ist die Vorfreude auf diese Premiere?

Thomas Weikert: Die Vorfreude ist natürlich groß. Allerdings steht während der WM auch die Präsidenten-Wahl auf der Agenda, für die es auch einen Gegenkandidaten zu meiner Person gibt. Der daraus resultierende Wahlkampf fordert natürlich schon vor der WM vollen Einsatz, so dass weniger Zeit für die reine Vorfreude bleibt.

Welche Veränderungen ergeben sich bei dieser Heim-WM durch Ihr heutiges Amt im Vergleich zu Ihrer früheren Rolle als Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes?

Thomas Weikert: Das ist schon ein Unterschied. Als DTTB-Präsident habe ich mich um viele Details in der gesamten Ablauforganisation gekümmert. Heute ist meine wichtigste Aufgabe, dass die WM weltweit auf allen denkbaren Medienkanälen positiv nach außen transportiert wird. Das Ziel ist es, eine umfassende Übertragung in möglichst vielen Ländern zu erreichen. Außerdem bin ich halbehrenamtlich mit unserem Marketing-Direktor für die Suche nach Sponsoren zuständig.

Thomas Weikert ist Stolz auf die langjährige Partnerschaft mit Liebherr

Thomas Weikert ist Stolz auf die langjährige Partnerschaft mit Liebherr

Die Firmengruppe Liebherr ist in Düsseldorf erneut Titelsponsor. Was kennzeichnet die langjährige Partnerschaft zwischen der ITTF und Liebherr?

Thomas Weikert: Liebherr ist in Märkten vertreten, in denen Tischtennis sehr stark ist. Gerade in Asien und in Lateinamerika entwickelt sich unser Sport aktuell sehr gut, so dass Liebherr für sein Sponsoring auch einen Gegenwert erhält. Darüber hinaus ist für Liebherr und uns von großer Bedeutung, dass Tischtennis ein sauberer Sport ist, dass Transparenz herrscht und keine Manipulationen durch Doping stattfinden. Wir kämpfen entschlossen gegen Doping. Das ist für Liebherr sicherlich ein wichtiges Kriterium für das Tischtennis-Sponsoring. Kurz gesagt: Es ist für beide Seiten eine Win-Win-Situation, aber vor allem ist im Laufe der Jahre eine verlässliche Partnerschaft erwachsen.

Als ITTF-Präsident begegnet Ihnen häufig die Diskussion über Chinas Dominanz im Welt-Tischtennis. Wie wichtig ist für den Sport, dass andere Länder den Rückstand verkürzen?

Thomas Weikert: Das ist aus internationaler Sicht von elementarer Bedeutung. Auch die chinesischen Zuschauer finden es spannender, wenn ein Spieler aus China gegen einen Japaner oder einen Deutschen spielt. Das zieht eindeutig mehr Menschen und Interesse an, auch wenn in China gerade einmal wieder, womöglich durch Chinas Erfolge bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, ein regelrechter Hype um Tischtennis herrscht. Topspieler wie Zhang Jike, Ma Long oder Ding Ning werden wieder wie Popstars gefeiert. Das ist gut für unseren Sport. Aber trotzdem wäre mehr Abwechslung an der Spitze sicherlich für den Tischtennis-Sport gut.

ITTF-Präsident Thomas Weikert mit dem deutschen Nationalspieler Patrick Franziska

ITTF-Präsident Thomas Weikert mit dem deutschen Nationalspieler Patrick Franziska

Wie sind vor diesem Hintergrund die Doppel-Titelkämpfe bei der diesjährigen WM von chinesischen Spielern mit Aktiven anderer Nationen wie Timo Boll oder Petrissa Solja einzuordnen?

Thomas Weikert: Es ist international ein Signal, dass sich China weiter öffnet. Wir möchten schon lange, dass die Chinesen bei Trainingslagern oder Trainerausbildungen noch mehr kooperieren, was sie erfreulicherweise auch tun. Für die Aussicht auf einen intensiveren Austausch ist Düsseldorf, unabhängig von der grundsätzlich spektakulären Paarung von Timo Boll und dem Olympiasieger und Weltmeister Ma Long, ein weiterer Baustein.

Erlaubt Ihnen die Neutralität Ihres Amtes Hoffnung auf Erfolge der deutschen Aktiven in Düsseldorf zu hegen?

Thomas Weikert: Es wäre geheuchelt, wenn ich mein Herz nicht für Deutschland schlagen lassen würde. Ich denke, wenn die Deutschen eine Medaille gewinnen, wäre das auch schön für die Atmosphäre des gesamten WM-Turniers.