Ma Long: Dieses Finale werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen

Alter und neuer Weltmeister: Ma Long.

Alter und neuer Weltmeister: Ma Long.

Ein wahrhaftiges Tischtennis-Happening hat bei der Liebherr Tischtennis-WM 2017 in Düsseldorf für einen denkbar würdigen Abschluss gesorgt. Wie der erfolgreiche Titelverteidiger Ma Long und sein Herausforderer Fan Zhendong vor 8000 restlos begeisterten Zuschauern spielten, raubte auf den Rängen Experten wie Laien beinahe den Atem. "Tischtennis von einem anderen Stern", da waren sich alle fachkundigen Zeugen des WM-Finales einig.

Der 4:3-Sieg des Viertelfinalbezwingers von Deutschlands Hoffnungsträger Timo Boll ließ alle Faszination der schnellsten Ballrückschlagsportart erkennen: Tempo, Präzision, Nervenkitzel, Technik, Inspiration und auch Kraft. Als Ma Long gegen seinen chinesischen Landsmann den zweiten Matchball verwandelte und sich rücklings auf den Boden fallen ließ, war seine entweichende Anspannung für die tobenden Fans fast greifbar.

0:1, 3:1 und 3:3 lauteten aus Ma Longs Sicht die Satzzwischenstände, bevor der Höhepunkt im entscheidenden siebten Satz folgte: Fan Zhendong führte schon mit 9:7, hatte seinen ersten WM-Einzeltitel förmlich schon vor Augen, doch Ma Long bot noch einmal sein ganzes Können auf, zog gleich und bog doch noch auf die Siegerstraße ein.

8000 Zuschauer säumten die Ränge beim Einzelfinale der Männer.

8000 Zuschauer säumten die Ränge beim Einzelfinale der Männer.

"Dieses Finale", sagte der alte und neue Champion kurz nach dem entscheidenden Punkt, "werde ich mein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen. Es war das verrückteste Spiel, das ich je erlebt habe." Das aufrichtige Mitgefühl des 28-Jährigen galt seinem acht Jahre jüngeren Finalgegner: "Ich weiß, wie er sich fühlen muss. Er ist aber noch jung, seine Zeit wird kommen."

Für Timo Boll war Ma Long der würdige Sieger des WM-Pokals. "Er ist der wahre Champion und hat sich seine Position an der Spitze redlich verdient", sagte der frühere Weltranglistenerste bereits nach seinem Auftritt beim kaum weniger umkämpften Viertelfinal-Aus gegen den Titelverteidiger über seinen WM-Doppelpartner.

Ma Longs zweiter Titeltriumph bei einem WM-Turnier war für mehrere hundert chinesische Fans in der Halle und für Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen der Höhepunkt des Turniers. Denn die Serienchampions unterstrichen mit vier Titeln in fünf Wettbewerben einmal mehr ihre Dominanz - nur im Mixed blieb dem Reich der Mitte ein Erfolg verwehrt.