Das Liebherr-Race 2017

Rund 200 Meter Rennstrecke, 26 Rennteams und jede Menge Spaß: das ist das Liebherr-Race 2017. Am 15. Juli 2017 fand das Seifenkistenrennen zum ersten Mal in Kempten statt. Bei diesem Event kam so einiges zusammen: aufgeregte Schülerinnen und Schüler, gespannte Lehrerinnen und Lehrer, stolze Eltern und beeindruckte Liebherr-Mitarbeitende, die das Projekt begleitet haben. Das Liebherr-Race war von Anfang an ein Gemeinschaftsprojekt. Die Liebherr-Verzahntechnik GmbH in Kempten, die Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH und die Liebherr-Elektronik GmbH in Lindau packten bereits in den ersten Etappen gemeinsam an, um dieses Kooperationsprojekt mit den Schulen der Region realisieren zu können.

Die Liebherr-Auszubildenden konnten bei der Konzeption der der Seifenkisten ihr gelerntes Wissen in die Praxis umzusetzen.

Die Liebherr-Auszubildenden konnten bei der Konzeption der der Seifenkisten ihr gelerntes Wissen in die Praxis umzusetzen.

Begeisterung für Technik – das ist die Idee hinter dem Liebherr-Race. Seit dem Sommer 2015 plante und organisierte Liebherr zusammen mit 14 Schulen das Event in Kempten. In mehreren Arbeitsschritten konstruierten insgesamt 300 Schülerinnen und Schüler mit Unterstützung von Liebherr-Auszubildenden renntaugliche Seifenkisten. Alles mit dem Ziel, die Siebt-, Acht- und Neuntklässler für Technik zu begeistern.

Auf eine gute Zusammenarbeit mit den Schulen kam es den Zuständigen bei der Organisation ganz besonders an, denn von einem solchen Event können alle Seiten profitieren, weiß Jochen Weisgerber, Ausbildungsleiter bei der Liebherr-Elektronik GmbH in Lindau.

„Liebherr kann durch Aktionen wie das Liebherr-Race in einen wertvollen und intensiveren Kontakt mit Schulen treten und junge Leute damit schon früh für technische Berufe begeistern. Die Schulen wiederum haben die Möglichkeit, außergewöhnliche Unterrichtsprojekte durchzuführen. Vermeintlich unbeliebte Fächer wie Physik oder Mathe können so nochmal spannend vermittelt werden.“

Die Bedingungen dabei waren für alle Rennteams gleich: sowohl der zeitliche Horizont als auch die technische Unterstützung waren für alle teilnehmenden Klassen gleichermaßen festgelegt. Liebherr stellte jeder Gruppe einen Bausatz zur Verfügung, der das Gerüst für die späteren Rennwagen bildete. Jeder der Bausätze enthielt neben den Teilen für das Fahrgestell, Rädern, Überrollbügel, Lenkung und Fahrersitz auch eine detaillierte Bauanleitung. Für die Konzeption der Bausätze holten die Gesellschaften Liebherr-Auszubildende für Technisches Produktdesign mit ins Boot. Gemeinsam mit Herrn Reinhold Wölfle, einem ehemaligen Mitarbeiter der Liebherr-Verzahntechnik GmbH, tüftelten mehrere Auszubildende an den Bauanleitungen.

Anhand dieser Konstruktionszeichnungen haben die Schülerteams das Gerüst für ihre Seifenkisten zusammengebaut.

Anhand dieser Konstruktionszeichnungen haben die Schülerteams das Gerüst für ihre Seifenkisten zusammengebaut.

Manuela Sartison ist eine dieser Auszubildenden bei Liebherr und erinnert sich an die erste Projektphase zurück: „Es hat wirklich Spaß gemacht mein Wissen an die Schülerinnen und Schüler weiterzugeben, aber natürlich gab es auch einige Herausforderungen während des Projektes.“

Vor allem das Erstellen der Bauanleitung sei gar nicht so einfach gewesen: „Für uns Produktdesigner war es eine Herausforderung, Dinge, die wir schon automatisch machen, auch in die Bauanleitung zu schreiben. Es ist wichtig, den Schülern, die nicht täglich damit beschäftigt sind, auch die Details zu vermitteln.“

Die Liebherr-Auszubildenden waren immer zur Stelle, um den Nachwuchs während der Bauphase zu unterstützen.

Die Liebherr-Auszubildenden waren immer zur Stelle, um den Nachwuchs während der Bauphase zu unterstützen.

Seifenkisten sind nicht ohne Grund ganz besondere kleine Fahrzeuge. Oft steckt in den vierrädrigen Gefährten viel harte Arbeit und Schweiß. Dem Einfallsreichtum der Konstrukteure und angehenden Seifenkistenpiloten sind dabei keine Grenzen gesetzt – eine Seifenkiste ist immer einzigartig. Doch der Fahrantrieb muss dabei stets der gleiche sein: nur die Hangantriebskraft und zwei anschiebende Teammitglieder dürfen den Rennwagen ins Rollen bringen. Die Schülerinnen und Schüler, die am Liebherr-Race 2017 teilnahmen, haben sich voller Eifer an ihre Aufgabe gemacht.

Das Leben einer jeden Seifenkiste beginnt recht bescheiden – nämlich mit Einzelteilen. Für die Bereitstellung dieser Einzelteile waren die Liebherr-Gesellschaften zuständig und unterstützten die Schulklassen während der gesamten Konstruktionsphase mit ihrem technischen Know-How. Die einzige Vorgabe dabei: allein die Hangantriebskraft und der Anschub durch zwei Teammitglieder beim Start darf den Rennwagen antreiben. Motorisierungen jeglicher Art sind nicht erlaubt. Geschraubt, gehämmert und gebastelt haben die Schülerinnen und Schüler entweder in den technischen Räumen ihrer Schule oder in den Werksräumen von Liebherr. Als Ansprechpartner für die jungen Tüftler standen mehrere Liebherr-Auszubildende und Ausbilder zur Verfügung.

Ohne Teamarbeit geht nichts! Das war den Schülerinnen und Schülern schnell klar.

Ohne Teamarbeit geht nichts! Das war den Schülerinnen und Schülern schnell klar.

Vor allem die Abwechslung zum üblichen Unterricht freute die Schülerinnen und Schüler: „Es hat echt viel Spaß gemacht auch mal richtig anzupacken und selber etwas zu bauen. Das war schon cool, vor allem, als die Seifenkiste dann auch wirklich fahren konnte!“, gab einer der Teilnehmer im Nachhinein mit einem Schmunzeln zu. Trotz der Begeisterung für die Seifenkisten gab es so einige Herausforderungen: nur wer in einem funktionierenden Team zusammenarbeitet, kann bei der kniffligen Konstruktion erfolgreich sein. Wie in einem richtigen Produktionsbetrieb mussten sich die Mädchen und Jungen auf ihre Kollegen verlassen können und gemeinsam nach Lösungen suchen. Auch die Arbeitszeiten während der Konstruktionsphase wurden wie im Betrieb erfasst, um am Ende ungefähre Produktionskosten der einzelnen Seifenkisten berechnen zu können. Selbst die Vermarktung ihrer Teams übernahmen die Schülerinnen und Schüler selbst. So galt es, einen Facebook-Beitrag zum Bau der Seifenkisten zu gestalten und dafür zum Beispiel einen Film zu drehen oder Fotos zu schießen.

Bei den letzten Handgriffen an den Seifenkisten mussten alle im Team noch einmal ganz genau hinschauen.

Bei den letzten Handgriffen an den Seifenkisten mussten alle im Team noch einmal ganz genau hinschauen.

Beim Liebherr-Race werden wirtschaftliche Zusammenhänge in technische Aufgabenbereiche integriert. Das gibt den Teilnehmenden die Möglichkeit, schon früh einen guten Eindruck in die Arbeitswelt zu bekommen. So freut sich auch Alexander Kilb über das Projekt, der Fachoberlehrer für das Fach Werken und Technisches Zeichen an der Realschule an der Salzstraße in Kempten ist: „Für solche besonderen Dinge sind die Möglichkeiten im normalen Unterricht sonst nicht gegeben.“ Beate Rohrmüller, stellvertretende Schulleiterin der Mittelschule Lindenberg, freut sich sehr über die Zusammenarbeit mit Liebherr. Sie sagte begeistert: „Bei uns ist das ein richtiges Gemeinschaftsprojekt, denn alle drei achten Klassen sind mit im Boot. Wir haben richtig Feuer gefangen!“

Konstruktionsbeginn

Der letzte Schliff

Mit einem LED-Element wollte das Team der Flotten Karotten die Jury beeindrucken.

Mit einem LED-Element wollte das Team der Flotten Karotten die Jury beeindrucken.

Selbstgebaute Seifenkisten sind richtige Unikate. Nicht nur ist die Konstruktion eines solchen Gefährts immer etwas anders, sondern auch das Design der selbstgebauten Rennwagen durften die Teams absolut frei gestalten. Das haben sich die Siebt-, Acht- und Neuntklässler nicht zweimal sagen lassen und sich ordentlich ins Zeug gelegt. Das Endprodukt kann sich sehen lassen!

Selbst wer das Ziel nicht als erstes erreichen konnte hatte beim Liebherr-Race 2017 noch die Chance auf einen Platz auf dem Treppchen. Neben den ersten drei Platzierungen wurde nämlich auch ein Preis für das beste Design der Seifenkiste verliehen. Um zu überzeugen haben sich die gut 300 teilnehmenden Schülerinnen und Schüler richtig was einfallen lassen: Das Team der „Flotten Karotten“ aus Kressbronn am Bodensee hat beispielsweise als Logo vorn auf die Seifenkiste eine knallorangene Karotte angebracht. Mit zusätzlichen elektronischen Lichteffekten beeindruckte das Rennteam die Jury noch weiter. Um eine LED-Beleuchtung erfolgreich zum Einsatz zu bringen, benötigt man schon etwas technisches Geschick. Eine korrekte Anbringung und vor allem das richtige Anschließen der Elektronik war eine kleine Herausforderung für die Bastler.

Durch Design aufs Treppchen: auch für das einfallsreichste Design gab es einen Preis.

Durch Design aufs Treppchen: auch für das einfallsreichste Design gab es einen Preis.

Jedes Team hatte ein vorher festgelegtes Budget zur Verfügung, das sie für verschiedene Zwecke ausgeben durften. Manche Gruppen holten sich die fachkundige Unterstützung einer Schreinerei, andere wendeten sich an eine Druckerei. Wichtig war, dass die Schülerinnen und Schüler diese Entscheidungen gemeinsam mit ihren jeweiligen Teamkollegen trafen. Hierfür berief das ein oder andere Team extra Meetings ein – ganz wie im echten Arbeitsleben auch. Ein Schüler erinnerte sich: „Wir haben alle zusammen diskutiert und jeder Schüler hat eigene Ideen gehabt. Am Ende haben wir dann zusammen im Team entschieden. Das war wirklich cool, weil unsere Seifenkiste jetzt genauso aussieht, wie wir alle es wollten.“ Ein Team nutzte das Design ihres Rennwagens für aerodynamische Vorteile und montierte an ihre Seifenkiste gleich zwei Spoiler.

Die Seifenkisten aller Rennteams

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Dreiländereck-Spress II“ der Realschule im Dreiländereck

    Die Seifenkiste des Rennteams „Dreiländereck-Spress II“ der Realschule im Dreiländereck

  • Die Seifenkiste des Rennteams „SRT Bodnegg 2“ des Bildungszentrums Bodnegg

    Die Seifenkiste des Rennteams „SRT Bodnegg 2“ des Bildungszentrums Bodnegg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Die Fantastischen Racers“ des Hildegardis Gymnasiums

    Die Seifenkiste des Rennteams „Die Fantastischen Racers“ des Hildegardis Gymnasiums

  • Die Seifenkiste des Rennteams „BoGy Snail-Box“ des Bodensee-Gymnasiums Lindau

    Die Seifenkiste des Rennteams „BoGy Snail-Box“ des Bodensee-Gymnasiums Lindau

  • 5. Die Seifenkiste des Rennteams „Dreiländereck-Spress I“ der Realschule im Dreiländereck

    5. Die Seifenkiste des Rennteams „Dreiländereck-Spress I“ der Realschule im Dreiländereck

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Black Bats“ der Städtische Realschule Kempten

    Die Seifenkiste des Rennteams „Black Bats“ der Städtische Realschule Kempten

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Die flotten Karotten“ vom BZP des Bildungszentrums Parkschule Kressbronn

    Die Seifenkiste des Rennteams „Die flotten Karotten“ vom BZP des Bildungszentrums Parkschule Kressbronn

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Bobbe’s Fan Club“ der Grundschule/Mittelschule Buchenberg

    Die Seifenkiste des Rennteams „Bobbe’s Fan Club“ der Grundschule/Mittelschule Buchenberg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „SRT Bodnegg 1“ des Bildungszentrums Bodnegg

    Die Seifenkiste des Rennteams „SRT Bodnegg 1“ des Bildungszentrums Bodnegg

  • 10. Die Seifenkiste des Rennteams „Kranich des Untergangs“ des Gymnasiums Lindenberg

    10. Die Seifenkiste des Rennteams „Kranich des Untergangs“ des Gymnasiums Lindenberg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Lisl-Racing“ des Bildungszentrums Parkschule Kressbronn

    Die Seifenkiste des Rennteams „Lisl-Racing“ des Bildungszentrums Parkschule Kressbronn

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Flash“ der Staatlichen Realschule Lindenberg

    Die Seifenkiste des Rennteams „Flash“ der Staatlichen Realschule Lindenberg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Pinki Flower I bi a Mädle“ der Grundschule/Mittelschule Buchenberg

    Die Seifenkiste des Rennteams „Pinki Flower I bi a Mädle“ der Grundschule/Mittelschule Buchenberg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Chili Peppers“ der Mittelschule Lindenberg

    Die Seifenkiste des Rennteams „Chili Peppers“ der Mittelschule Lindenberg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Veni, Vidi, Vici“ der Staatlichen Realschule Kempten

    Die Seifenkiste des Rennteams „Veni, Vidi, Vici“ der Staatlichen Realschule Kempten

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Race Team 8FT“ der Staatlichen Realschule Kempten

    Die Seifenkiste des Rennteams „Race Team 8FT“ der Staatlichen Realschule Kempten

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Sweet Candys“ der Maria-Ward-Schule Kempten

    Die Seifenkiste des Rennteams „Sweet Candys“ der Maria-Ward-Schule Kempten

  • Die Seifenkiste des Rennteams „No Name Petrolheads“ des Gymnasiums Lindenberg

    Die Seifenkiste des Rennteams „No Name Petrolheads“ des Gymnasiums Lindenberg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Fanta 10“ der Mittelschule Lindenberg

    Die Seifenkiste des Rennteams „Fanta 10“ der Mittelschule Lindenberg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Feuerblitz“ der Staatlichen Realschule Obergünzburg

    Die Seifenkiste des Rennteams „Feuerblitz“ der Staatlichen Realschule Obergünzburg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Die nach dem Weg fragen“ der Mittelschule Durach

    Die Seifenkiste des Rennteams „Die nach dem Weg fragen“ der Mittelschule Durach

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Zimmer 223“ der Mittelschule Durach

    Die Seifenkiste des Rennteams „Zimmer 223“ der Mittelschule Durach

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Seifis“ der Staatlichen Realschule Lindenberg

    Die Seifenkiste des Rennteams „Seifis“ der Staatlichen Realschule Lindenberg

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Helden der Kindheit“ der Maria-Ward-Schule Kempten

    Die Seifenkiste des Rennteams „Helden der Kindheit“ der Maria-Ward-Schule Kempten

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Lamborghini R14“ des Hildegardis-Gymnasiums

    Die Seifenkiste des Rennteams „Lamborghini R14“ des Hildegardis-Gymnasiums

  • Die Seifenkiste des Rennteams „Durach Racers“ der Mittelschule Durach

    Die Seifenkiste des Rennteams „Durach Racers“ der Mittelschule Durach

  • Auf die Plätze, fertig, los: herausgeputzt und gespannt stehen die Seifenkisten an der Startlinie.

    Auf die Plätze, fertig, los: herausgeputzt und gespannt stehen die Seifenkisten an der Startlinie.

    Auf die Plätze, fertig, los: Am 15. Juli 2017 war es soweit und die 26 Schülerteams lieferten sich mit den selbstgebauten Seifenkisten ein erstklassiges Rennen. Insgesamt 16 Monate lang hatten die Vorbereitungen für das Liebherr-Race angedauert: Angefangen bei der Konstruktion der Grundgerüste über die Zusammenstellung der Materialsätze bei Liebherr bis hin zur anschließende Montage der Bausätze sowie die Ausgestaltung der Seifenkisten durch die Schulen. Seit März hatten die einzelnen Schülerteams aus 14 Schulen geschraubt und getüftelt, um die bestmögliche Grundlage für einen Sieg beim Rennen am 15. Juli auf dem Gelände der Liebherr-Verzahntechnik GmbH in Kempten zu schaffen.

    180 Meter Rennstrecke, mehrere enge Kurven und 25 Rennteams als direkte Konkurrenz – die Herausforderungen am Tag des Rennens waren zahlreich und jedes Team hatte eine ganz andere Taktik, um den Sieg in der Kategorie Zeit zu holen. Die einen setzten auf windschnittiges Design, wie etwa das Team „Flash“ von der staatlichen Realschule Lindenberg, die anderen setzten auf Kampfansagen, wie „Wer bremst verliert!“ oder aber auf die richtige Technik beim Anschieben der Seifenkisten. Beim Probedurchlauf morgens auf dem Liebherr-Gelände in Kempten konnten sich die Fahrer erstmals mit der Strecke auseinandersetzen. Die Regeln waren klar: Anschiebhilfe durfte nur bis zur Startlinie geleistet werden und nur wenn die Ampel bereits auf grün geschaltet war. Andernfalls gab es für den Fehlstart eine 5-Sekunden-Zeitstrafe, was durchaus den Sieg kosten konnte. Fehler auf der Strecke, die ebenfalls in die Bewertung mit einflossen waren beispielsweise umgefahrene Hütchen, die die Kurven für die Seifenkistenfahrer markierten.

    Knapp 1.500 Besucher kamen zum Liebherr-Race, um ihre Rennteams zu unterstützen. Neben den Lehrerinnen und Lehrern, den Eltern der Schüler und den Azubis und Organisatoren des Rennens hatten auch drei Geschäftsführer der beteiligten Liebherr-Gesellschaften es sich nicht nehmen lassen, diesen Samstag beim Rennen dabei zu sein. Darüber hinaus war auch der Kemptener Stadtrat und Sport-Beauftragte Franz Maier gekommen, sowie Vertreter der teilnehmenden Schulen und der IHK.

    Familie und Freunde begleiteten die Teams am großen Renntag.

    Familie und Freunde begleiteten die Teams am großen Renntag.

    „Beim Bau eurer Seifenkisten habt ihr euch ordentlich ins Zeug gelegt, liebe Schülerinnen und Schüler, und eure Begeisterung für Technik gezeigt“, sagte Michael Schuster, Geschäftsführer Finanzen bei der Liebherr-Verzahntechnik GmbH in seiner Eröffnungsrede. „Jetzt kommt’s drauf an, wie schnittig ihr eure Rennwägen gebaut habt – möge das beste Team gewinnen!“ Nacheinander fuhren die einzelnen Seifenkisten in zwei Durchläufen zu ihrer eigens ausgesuchten Musik die Rennstrecke hinunter. Neben Klassikern wie „Highway to Hell“ von AC/DC oder „Seven Nation Army“ von den White Stripes wählten manche Teams auch Helene Fischers „Atemlos“ oder den Elektro House Mix von „Bob der Baumeister“.

    Die 26 Seifenkisten der Schülerteams waren vor dem Rennen von Liebherr-Mitarbeitenden eingehend auf ihre Funktionalität geprüft worden – Sicherheit war beim Liebherr-Race oberstes Gebot und Voraussetzung dafür, die Starterlaubnis zu erhalten. Ralf Büttinghaus, Ausbildungsleiter der Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH und Jochen Weisgerber, Ausbildungsleiter der Liebherr-Elektronik GmbH in Lindau, führten diese Prüfung gemeinsam mit Reinhold Wölfle durch, einem inzwischen pensionierten Mitarbeiter der Liebherr-Verzahntechnik GmbH in Kempten und Mitkonstrukteur der Seifenkisten. Sie testeten vor allem die Bremsen, die Lenkung und die feste Montage der Sicherheitsgurte. Darüber hinaus bestand beim Rennen Helmpflicht. Alles andere wie coole Lederhandschuhe, lässige Rennfahrer-Brillen und Overalls wie bei der Formel 1 waren oft Leihgaben der stolzen Eltern, die ihre Kinder am Renntag entlang der Strecke anfeuerten. „Mein Sohn hat gemeinsam mit seinem Team seit den Osterferien jeden Mittwochnachmittag an der Seifenkiste geschraubt – einen mega Elan hatten die“, fasst Mira Bornhäuser zusammen. „Auch heute hat die ganze Familie Spaß. Toll finde ich, dass die gesamten Einnahmen der Getränke an Hilfsorganisationen gespendet werden.“

    Mit zusätzlichem Equipment wurden die Piloten zu echten Profi-Rennfahrern.

    Mit zusätzlichem Equipment wurden die Piloten zu echten Profi-Rennfahrern.

    Die Zeitmessung der einzelnen Rennen erfolgte präzise mittels Lichtschranke, die die Liebherr-Azubis extra für diesen Tag gebaut hatten. Mit Messzeiten zwischen 12 und 29 Sekunden vom Start bis zum Ziel war die Rennleistung der einzelnen Teams sehr unterschiedlich. „Wir haben die Kurven einfach nicht eng genug genommen“, resümierte Finn von der 7a des Hildegardis-Gymnasiums in Kempten. „Das ging dann natürlich in die Zeit.“ Den Gesamtsieg in der Kategorie Zeit sicherten sich die "Chili Peppers" von der Mittelschule Lindenberg – mit 15,35 Sekunden im ersten und 17,23 Sekunden im zweiten Renndurchlauf. Auf die Frage, was letztendlich über Sieg oder Niederlage bei den "Chilli Peppers" entschied, antwortete der Pilot Nick Volkmer: „Ich bin gut um die Kurven gekommen. Aber auch einen großen Dank an meine Leute, die angeschoben haben. Das haben sie spitze gemacht! Ich hab immer einen super Start gehabt!“

    Mit Schwung ins Ziel: zusätzlich zur Hangantriebskraft durften die Seifenkisten beim Start noch einmal ordentlich angeschoben werden.

    Mit Schwung ins Ziel: zusätzlich zur Hangantriebskraft durften die Seifenkisten beim Start noch einmal ordentlich angeschoben werden.

    Diejenigen Teams, die beim Rennen selbst nicht gewonnen hatten, konnten ihre Fertigkeiten jedoch noch in weiteren Kategorien unter Beweis stellen: In der Kategorie Qualität gewann das Team "Sweet Candys" der Maria-Ward-Schule Kempten und stellten als reines Mädchenteam ihr technischen Können klar unter Beweis. Die Jury prämierte die einwandfreie Montage des Bausatzes, die gute Verarbeitung der hinzugekommenen Materialien der Karosserie und die Feinjustierung. Christine Hingerle vom Gewinnerteam sagte mit einem Lachen: „Es lag sicher an den Reifen. Die haben wir nämlich fünf Mal auf- und abgebaut, bis sie endlich gepasst hatten.“

    In der Kategorie Design wurde der Einfallsreichtum der Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet. „Die Kreativität der jungen Leute war beeindruckend! Vom Einhorn über den Ferrari bis hin zu Feuerblitzen gab es alles! Es fiel uns schon schwer, unter den 26 toll gestalteten Seifenkisten wirklich den einen Gewinner auszuwählen“, gab Walter Ferstl zu, Ausbildungsleiter bei der Liebherr-Verzahntechnik GmbH. „Am Ende haben Kleinigkeiten entschieden.“ Beim Siegerteam, den "Seifis" von der Realschule Lindenberg, war sicher die montierte Seifenblasenmaschine ausschlaggebend. Aber auch die selbst gesprayten Seifenblasen auf dem Rennwagen bestachen durch ihre 3D-Optik und verhalfen dem Team um Stefanie, Theresa, Cosima, Ronja und Jan zum Sieg.

    Das Liebherr-Race war ein voller Erfolg, da waren sich die Organisatoren, Teilnehmer und Zuschauer einig.

    Das Liebherr-Race war ein voller Erfolg, da waren sich die Organisatoren, Teilnehmer und Zuschauer einig.

    Die Selbstvermarktung des eigenen Teams gelang den Siegern der Kategorie Facebook-Beitrag am besten: Der gemeinsame Film der zwei Teams "Bobbes Fan Club" sowie "Pinki Flower I bi a Mädle" der Grund- und Mittelschule Buchenberg baute mit schnellen Schnitten, cooler Musik und guten Bildern Spannung auf und zeigte, wie sich das Team zum Beispiel mit Testfahrten auf den großen Tag vorbereitete.

    Das Liebherr-Race 2017 war ein voller Erfolg, da ist sich Josef Gropper, Geschäftsführer Operation bei der Liebherr-Aerospace Lindenberg GmbH sicher: „Der heutige Tag hätte nicht besser laufen können. Ich bin begeistert von der Idee Liebherr-Race, wo Jung und Alt zusammenkommen und der Spaß an der Sache bei allen spürbar ist.“ Und Claus von Reibnitz, Geschäftsführer Elektronik Industrie von der Liebherr-Elektronik GmbH in Lindau ergänzte: „Technik ist heute für viele oft nur das, was man benutzt, zum Beispiel ein Smartphone. Aber selbst Technik zu gestalten, also zu wissen, wie etwas funktioniert, das ist für mich das Faszinierende! Und etwas von dieser Faszination durch das Liebherr-Race weitergegeben zu haben, freut mich ungemein!“.

    Und da kommt die Seifenkiste her: an eine solche Halterung hat Myron Scott wohl gedacht, als er einen Namen für die selbstgebauten Renngefährte suchte.

    Und da kommt die Seifenkiste her: an eine solche Halterung hat Myron Scott wohl gedacht, als er einen Namen für die selbstgebauten Renngefährte suchte.

    Seifenkistenrennen haben in den USA schon lange Tradition, doch auch in Deutschland kann der Sport auf eine rege Geschichte zurückblicken. Die Anfänge der Gefährte liegen zwar in einem kleinen verschlafenen Städtchen in Ohio, aber sie eroberten schnell die Herzen vieler Rennpiloten – auch hierzulande.

    Der Bezeichnung „Seifenkiste“ geht der Legende nach auf den amerikanischen Journalisten Myron Scott zurück. Er lebte im Jahr 1933 in Dayton, im Bundesstaat Ohio, und war auf der Suche nach einer neuen Story für die ortsansässige Zeitung. Wie es manchmal so ist, wollte ihm für seinen nächsten Beitrag einfach keine gute Geschichte einfallen. Zu seinem Glück hielten ein paar Kinder unweit von ihm auf einer kleinen Anhöhe ein Rennen ab. Sie schoben dabei Holzgestelle, die sie mit Hilfe von Kinderwagenrädern zu Rennwagen umfunktioniert hatten, den Hügel hinauf und sausten dann in ihnen herunter. Die Piloten versuchten dabei einander an Schnelligkeit zu überbieten. Myron Scott war von dieser Idee so begeistert, dass er dazu eine Fotoreportage in der nächsten Ausgabe der Zeitung publizierte. Und der richtige Name für die abenteuerlustigen Gefährte war ihm auch schnell eingefallen. Die Rennwagen erinnerten den Journalisten an eine Seifenschachtel, zu Englisch „soap box“.

    Der findige Myron Scott beließ es allerdings nicht nur bei der einen Zeitungsstory, sondern vermarktete seine Idee gleich im großen Stil. Er sicherte sich schnell die nötigen Rechte und organisierte schon in folgenden Jahr das erste „Soap Box Derby“, die englische Bezeichnung für „Seifenkistenrennen“. Als dann 1934 das erste Rennen in Dayton stattfand, nahmen 300 Rennpiloten daran teil und stolze 40.000 Zuschauer jubelten den Kindern bei ihrer rasanten Abfahrt zu.

    Der frühe Erfolg beflügelte Myron Scott und er exportierte seine Idee prompt über die Grenzen seiner Heimatsstadt hinaus. Bereits im Jahr 1934 hielten 50 Städte in den USA ihre eigenen Seifenkistenrennen ab. Unterstützt wurden sie dabei tatkräftig von regionalen Tageszeitungen und der ortsansässigen Automobilindustrie. Von Jahr zu Jahr wuchs die Popularität dieses Sportes, sodass bald Vereine gegründet wurden, die sich auf ein gemeinsames Regelwerk und auf gemeinsame Vorgaben für die Organisation der „Soap Box Derbys“ einigten.

    Die Seifenkistenrennen kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland. Auf Anregung von amerikanischen Jungoffizieren wurde das „Deutsche Seifenkisten-Derby“ gegründet, das schnell seine treuen Anhänger fand und in den 1950er Jahren einen regelrechten Boom erlebte. Es war gelungen, einen namenhaften Sponsor aus der Automobilbranche zu rekrutieren, wodurch auch die finanziellen Mittel zur Verfügung standen, um in ganz Deutschland Seifenkistenrennen zu veranstalten. Leider währte das Engagement des Sponsors nicht lange. Bereits in den 1970er Jahren wurde die Unterstützung entzogen, sodass die Organisation und Durchführung von offiziellen Seifenkistenrennen in die Hände des „Deutschen Seifenkiste Derby e.V.“ fiel. Auch heute ist der Verein zentrales Kontroll- und Steuerungsorgan dafür.