
Swann Blaise
Liebherr Mining Equipment Newport News Co.
Newport News, VA 23607
Vereinigte Staaten von Amerika
+1 757 928 2239
News | 12.08.2026
Auf der diesjährigen VDI Dritev-Konferenz in Baden-Baden, Deutschland, hielt Dr.-Ing. Isabelle Ays – Head of Zero Emissions bei Liebherr Mining – einen Vortrag über die Dekarbonisierungsstrategie von Liebherr Mining. Wir haben mit Isabelle über die wichtigsten Erkenntnisse aus ihrem Vortrag gesprochen und darüber, was diese für die Zukunft des emissionsfreien Bergbaus bedeuten.
Laut einem McKinsey-Bericht aus dem Jahr 2021 entfallen 40 bis 50 % der CO₂-Emissionen im Mining auf den Diesel, der zum Antrieb mobiler Maschinen vor Ort eingesetzt wird. Vor diesem Hintergrund können OEMs wie Liebherr dazu beitragen, die Dekarbonisierung voranzutreiben, indem Alternativen zu dieselbetriebenen Schwermaschinen angeboten werden. Mit emissionsarmen und elektrischen Maschinen, die bei Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energien einen emissionsfreien Betrieb am Einsatzort ermöglichen, stehen Kunden praxistaugliche Wege offen, ihre Dekarbonisierungsziele zu erreichen.
Damit Kunden diese Maschinen einsetzen, müssen sie jedoch dieselbe Leistung wie ihre dieselbetriebenen Pendants erbringen und unter unterschiedlichsten Bergbaubedingungen zuverlässig funktionieren. Um dies zu erreichen, betrachten wir das System als Ganzes – wir berücksichtigen sowohl die Maschine als auch die Energiequelle und Energieversorgung, den Ladevorgang und die Einbindung in den tatsächlichen Bergbaubetrieb – um vor Ort die bestmögliche Produktivität zu erzielen. Darüber hinaus lassen sich unsere Maschinen dank ihrer modularen, technologieoffenen Antriebsstränge an die sich wandelnden Kundenbedürfnisse, Technologien und Energielandschaften anpassen.
Vergleicht man die Kosten der Energieerzeugung, erweist sich Strom aus erneuerbaren Energien in der Regel als die wirtschaftlichste Option. Wir sind uns jedoch bewusst, dass in Regionen, in denen eine langfristige Energiespeicherung oder umfangreiche Transportwege erforderlich sind, Alternativen wie grünes Ammoniak möglicherweise besser geeignet sind.
Unsere Strategie besteht darin, den Anteil an Strom aus erneuerbaren Energien zu maximieren und diesen bei Bedarf durch alternative Kraftstoffe zu ergänzen. Da die Verfügbarkeit und die Kosten von Energie je nach Region variieren, gibt es keine einheitliche Lösung, die für alle passt. Stattdessen setzt Liebherr auf individuell optimierte Lösungen für unterschiedliche Märkte und Einsatzbedingungen.
Unser Ziel ist es, einen batterieelektrischen Muldenkipper auf den Markt zu bringen, der die gleiche oder eine höhere Produktivität als sein Diesel-Pendant aufweist. Dazu mussten wir die Ladezeit so kurz wie möglich halten. Mit seinem großen Batteriesystem, den regenerativen Bremsfunktionen und der Möglichkeit, ihn mithilfe statischer oder dynamischer Lösungen in etwa 30 Minuten aufzuladen, wird der T 264 Battery Electric seinem dieselbetriebenen Pendant in Bezug auf Produktivität in nichts nachstehen, wie unsere laufenden Validierungsprozesse belegen.
Dieser batterieelektrische Muldenkipper basiert auf der bewährten T 264-Plattform und ist für den Einsatz im Mining bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h, Temperaturen von bis zu 50 °C und abrasivem Staub ausgelegt. Die Entwicklung des T 264 Battery Electric schreitet derzeit in unserem Mining Technology Development Center in den USA voran.
Liebherr Power Rail (LPR) befindet sich derzeit in der Entwicklung. Es handelt sich um ein dynamisches Energieübertragungssystem, das sowohl mit Diesel- als auch mit batterieelektrischen Muldenkippern kompatibel ist und anstelle von Oberleitungen eine seitliche Schienenverbindung nutzt. Muldenkipper, die an das LPR-System angeschlossen sind, können Geschwindigkeiten von bis zu 55 km/h erreichen, wodurch sich die Zykluszeiten deutlich verkürzen. Dank seiner vereinfachten Infrastruktur lässt sich das LPR-System im Zuge der Weiterentwicklung der Gruben-Layouts leichter innerhalb eines Betriebs umstellen, wodurch Ausfallzeiten reduziert und die Vorteile der Trolley-Technologie optimal genutzt werden können.
Je nach den individuellen Rahmenbedingungen in den Betrieben unserer Kunden können diese Technologien unter geeigneten Voraussetzungen dazu beitragen, Kosten zu senken, Treibhausgasemissionen zu verringern und die Produktivität zu steigern. Durch den Einsatz von Muldenkippern mit batterieelektrischem Antrieb – betrieben mit Strom aus erneuerbaren Energien – können die Fuhrparks der Kunden während des Förderzyklus weniger Kraftstoff verbrauchen, was den doppelten Vorteil mit sich bringt, dass sowohl die Kraftstoffkosten als auch die Menge der direkt ausgestoßenen Treibhausgase gesenkt werden.
Wenn dynamische Energieübertragungslösungen wie Liebherr Power Rail in die Infrastruktur eines Bergwerks integriert werden, können alle an diese Systeme angeschlossenen Muldenkipper – ob diesel- oder elektrisch betrieben – deutlich weniger Kraftstoff verbrauchen als solche, die ausschließlich über ihren eigenen Antriebsstrang angetrieben werden. Zudem können Muldenkipper in Verbindung mit einem dynamischen Energieübertragungssystem produktiver arbeiten, da sie an Steigungen höhere Geschwindigkeiten erreichen können als Muldenkipper, die aus eigener Kraft fahren.
Die Kombination aus batterieelektrischen Muldenkippern und dynamischen Energieübertragungslösungen bietet insgesamt noch mehr Vorteile: geringere Kosten pro Tonne, eine längere Batterielebensdauer – je nach Transportprofil – sowie weniger stationäre Ladevorgänge.
Für eine breitere Markteinführung konzentrieren wir uns auf gezielte Investitionen in die Infrastruktur, einen sorgfältigen Umgang mit Investitionskosten und Gesamtbetriebskosten sowie die Unterstützung betrieblicher Veränderungen.
Die aktuellen Bemühungen konzentrieren sich auf die Verbesserung von Leistung, Zuverlässigkeit und Nachhaltigkeit über den gesamten Förderzyklus hinweg – angetrieben durch Fortschritte in den Bereichen Batterietechnologie, dynamische Energieübertragung, digitale Lösungen und Kreislaufwirtschaft. Zusammen bilden diese Entwicklungen eine solide Grundlage für die skalierbare und langfristige Einführung dieser Technologien in der Branche.

Swann Blaise
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