Auf dem Dach des Opus 12 Tower in La Défense hebt ein Liebherr Derrick-Kran Material für eine neue technische Anlage auf dem Gebäude. Der Liebherr 200 DR 5/10 Litronic, kam zum Einsatz, weil herkömmliche Turmdrehkrane weder zur Baustelle transportiert noch auf dem Dach montiert werden konnten.
Begrenzter Zugang und fehlende Tragfähigkeit des Dachs
Der Opus 12 Tower ist rund 100 Meter hoch und verfügt über 26 Stockwerke in La Défense, dem Geschäftsviertel westlich von Paris. Das in den frühen 1970er Jahren errichtete Bürogebäude wird derzeit für den französischen Baukonzern Legendre modernisiert, unter anderem durch eine neue technische Anlage auf dem Dach. Für deren Bau mussten Baumaterialien auf das Dach gehoben werden, ein herkömmlicher Turmdrehkran kam dafür jedoch nicht infrage. Das Gebäude liegt in einer dicht bebauten innerstädtischen Lage, die für Sattelzüge nicht erreichbar ist, die Bauteile wären zu groß gewesen, und die Dachkonstruktion hätte die Last eines konventionellen Turmdrehkrans nicht getragen. Ein Derrick-Kran hingegen lässt sich in kleine Einzelteile zerlegen und vor Ort wieder zusammenbauen, wodurch er sich für komplexe Dachprojekte eignet.
Von Bad Waldsee zur Baustelle, in mehreren Etappen
Der Derrick-Kran wurde vom Liebherr Tower Crane Center in Bad Waldsee, Deutschland, bereitgestellt und nach Frankreich transportiert. Anschließend wurde er zum Lagerplatz von Liebherr France (LDF) in Paris gebracht, wo einzelne Bauteile vormontiert wurden. Von dort wurden die Teile auf kleinere Fahrzeuge verladen und zur Baustelle gebracht. Die engen Straßen rund um die Baustelle machten eine direkte Anlieferung per Sattelzug unmöglich.
Um den Kran auf das Dach zu bringen, waren zwei Transportmethoden erforderlich. Ballastgewichte, Bolzen, Verbindungsmaterial, Traversen und kleinere Bauteile wurden über den Lastenaufzug des Gebäudes nach oben befördert. Das schwerste dieser Teile wog rund 1.200 Kilogramm.
Die größten Baugruppen, darunter Turmsegmente und Ausleger, passten nicht in den Aufzug und wurden stattdessen per Helikopter auf das Dach geflogen. Das schwerste dieser Teile wog rund eine Tonne. Die Komponenten wurden von einer geeigneten Freifläche in der Nähe aufgenommen und direkt auf dem Dach des Gebäudes abgesetzt. Der Einsatz fand im Mai 2026 statt und wurde mit einem Hubschrauber vom Typ Airbus H225 Super Puma und einem 80 Meter langen Lastseil durchgeführt. Insgesamt waren sechs Flüge erforderlich, um alle Komponenten einschließlich eines Spinnenkrans auf das Dach zu transportieren. Der gesamte Einsatz war innerhalb von rund 30 Minuten abgeschlossen.
Eine Stahlunterkonstruktion für die Lastableitung
Damit der Derrick-Kran überhaupt auf dem Dach aufgebaut werden konnte, war eine eigene Stahlunterkonstruktion erforderlich. Liebherr Tower Crane Solutions übernahm die technische Beratung, Konstruktion und Projektunterstützung und lieferte die Lastdaten, statischen Berechnungen und technischen Anforderungen des Krans. Das Baustellenteam des Kunden nutzte diese Daten, um die Unterkonstruktion zu planen. Für den Einbau wurde das Dach an mehreren Stellen geöffnet, eine Stahlkonstruktion bis in die tragende Struktur des Gebäudes eingebracht und die Kranlast sicher in das Gebäude abgeleitet. Die Traversen des Derrick-Krans wurden über eine speziell ausgelegte Stahlunterkonstruktion mit dem Gebäude verbunden, die die Kranlast sicher in die Tragstruktur ableitete.
Expertise direkt vom Hersteller
Die Anfrage kam von Legendre an Liebherr France (LDF). Schon früh zeigte sich, dass herkömmliche Hebelösungen nicht geeignet waren, weshalb TCS über LDF hinzugezogen wurde, um eine technische Lösung zu entwickeln. TCS analysierte die Anforderungen und bestätigte, dass ein Derrick-Kran die praktikabelste technische Lösung war. Das Projekt zeigt beispielhaft, wie Tower Crane Solutions typischerweise arbeitet.